17. November 2011

Hessisches Ried: Mehr Wasser für den Wald!

Deutlich mehr Wasser für die sterbenden Wälder im Hessischen Ried fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ohne eine verstärkte Einleitung von aufbereitetem Rheinwasser sind 10.000 Hektar Wald akut vom Vertrocknen bedroht. BUND Vorstandsmitglied Jörg Nitsch: „Die Waldschäden sind massiv. Die Rettung der alten Wälder im Hessischen Ried duldet keinen weiteren Aufschub.“ Die bevorstehende Vorstellung des Waldschadensberichtes 2011 nimmt der BUND zum Anlass, um die Öffentlichkeit mit einer Broschüre über seine Lösungsvorschläge zu informieren.

„Wasser für den Wald! – Lösungsvorschläge für die Grundwasserproblematik im Hessischen Ried“ lautet der Titel der BUND-Broschüre. Die zentrale Forderung des BUND lautet:

„Die Waldbäume im Hessischen Ried müssen Grundwasseranschluss erhalten und die Wohngebiete müssen vor Vernässung geschützt werden.“

Wie diese Lösung in der Praxis erreicht werden kann, wurde in einer Machbarkeitsstudie, die auf Anregung des BUND vom Hessischen Umweltministerium bereits im Jahr 2007 vergeben wurde, ermittelt. Die Studie, die durch ein Ingenieurbüro und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt erstellt wurde, liegt dem Umweltministerium vor. Dies bestätigt das Umweltministerium in einem Schreiben vom 27.09.2011, das dem BUND vorliegt.

Die Machbarkeitsstudie wurde bisher zwar noch nicht veröffentlicht, doch sollen die Investitions- und Betriebskosten erfreulicherweise so gering sein, dass die „Produktionskosten“ je Kubikmeter Trinkwasser voraussichtlich nicht einmal 5 Cent betragen würden. Selbst wenn diese Mehrbelastung auf den Wasserpreis umgelegt würde, würde die Rettung des Waldes den statistischen Durchschnittsbürger, der einen Wasserverbrauch von ca. 130 Litern pro Tag hat, nur mit ein bis zwei Euro pro Jahr belasten. „Beträge dieser Größe spüren wir Verbraucherinnen und Verbraucher kaum,“ erläutert Jörg Nitsch vom BUND Landesvorstand.

Hintergrund:

Im Hessischen Ried sind 30.000 Hektar Wald von der akuten Auflösung bedroht. Das Schadenszentrum beträgt 9.800 Hektar. Die durch die Grundwasserentnahme eingetretenen Substanzverluste betragen im Holzwert allein in den Staatswaldflächen fast 50 Millionen Euro. Bei vergleichbarer Schadenshöhe in den ebenfalls betroffenen Kommunalwäldern lassen sich Verluste von über 65 Millionen Euro errechnen (Landtags-Drucksache 18/3981). Die vom Absterben bedrohten Wälder sind wegen ihrer ökologisch wertvollen alten Eichen- und Eichenmischwälder überwiegend als europäische Naturschutzgebiete ausgewiesen (FFH- und Vogelschutzgebiete), zu deren Erhalt das Land Hessen verpflichtet ist.

Auch im Hessischen Ried wird das Trinkwasser bevorzugt unter Wald gefördert, weil Waldbestände eine hohe Schutzwirkung gegen Verschmutzungen des Grundwassers haben. Sterben die Wälder weiter ab, dann entfällt auch diese Schutzwirkung. Ohne den Schutzmantel der Wälder steigt das Risiko, dass die Reinheit des geförderten Grundwassers durch technische Maßnahmen hergestellt werden muss. Die Kosten solcher Maßnahmen lassen sich heute kaum kalkulieren.

Weitere Informationen:

http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/wasser/hessisches_ried/

Rückfragen beantworten Ihnen:

Jörg Nitsch; Vorstandssprecher des BUND Hessen                           0171 6418094

Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen              0170 2277238