24. Juni 2011

Schutz des Waldes / BUND begrüßt FSC-Zertifizierung des Frankfurter Stadtwaldes

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die bevorstehende Zertifizierung des Frankfurter Stadtwaldes nach dem Label des weltweit im Waldschutz tätigen Forest Stewardship Council (FSC).

BUND Vorstandssprecher Jörg Nitsch: „Die Waldbewirtschaftung nach den Regeln von FSC-Deutschland ist ein wichtiger Schritt zur Versöhnung von Ökologie und Ökonomie.“
Der BUND hofft, dass der Beschluss in der von CDU und B90/Grünen bestimmten Frankfurter Stadtpolitik ein Signal für weitere Kommunen darstellt.
„Gerade im Ballungsraum sollten sich die Kommunalpolitiker zum Wohle der Erholungswälder und der Artenvielfalt für die überpüfbaren und transparenten Regeln von FSC-Deutschland entscheiden“, fordert Jörg Nitsch vom BUND.

Die verbindliche Einführung der Waldbewirtschaftung nach den Regeln von FSC im Kommunalwald wird von den großen Naturschutzverbänden und der Gewerkschaft IG BAU seit vielen Jahren gefordert. In Hessen hatten die Verbände und die Gewerkschaft nach der Kommunalwahl in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Forderung nach einer FSC-Zertifizierung der kommunalen Wälder erneuert. Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstützt das FSC-Zertifikat, weil es als einziges einer umfassenden Definition von sozialer, ökonomischer und insbesondere ökologischer Nachhaltigkeit gerecht wird.

Hingegen genügt der Forstwirtschaft vielerorts das Label von PEFC („Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“), das aber weniger strenge Umweltregeln hat und keine regelmäßigen Betriebskontrollen der Mitgliedsbetriebe  verlangt.

Der ökologische Unterschied zwischen PEFC und FSC wird an den Vorgaben zu den so genannten „Biotopbäumen“ besonders deutlich. „Biotopbäume“ sind Bäume mit Höhlen und alte Baumveteranen. Die Existenz solcher Biotopbäume ist die Voraussetzung für das Vorkommen unzähliger hochspezialisierter Arten, die heute vom Aussterben bedroht sind, weil nicht genügend alte Bäume im Wald verbleiben dürfen.

Während FSC die Sicherung von 10 Biotopbäumen je Hektar fordert, heißt in den PEFC-Regeln aus 2009 nur unverbindlich: „Es ist wichtig, dass ein ausreichender Anteil an Totholz und Biotopbäumen bei der Bewirtschaftung berücksichtigt und dauerhaft von der Nutzung ausgenommen wird.“ Sehr große kommunale Forstbetriebe mit mehr als 1000 Hektar Wald müssen bei FSC außerdem noch auf 5 % ihrer Fläche so genannte Referenzflächen nachweisen. Auf diesen Stilllegungsflächen kann die natürliche Waldentwicklung beobachtet werden.
Diese Flächen haben ebenfalls eine ganz herausragende Bedeutung für den Naturschutz, weil sich hier langfristig kleine Urwälder entwickeln werden. Ungenutzte Referenzflächen gibt es bei PEFC gar nicht.

In Hessen sind bereits die Kommunalwälder von Wiesbaden, Bad Nauheim, Dieburg, Babenhausen, Schaafheim, Eppertshausen, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Messel, Münster, Reinheim, Roßdorf, Groß-Bieberau, Otzberg, Heidenrod und Rosbach v.d.H. nach FSC-zertifiziert und die Kommunen Bad Vilbel, Schlangenbad und Karben haben ihre Wälder bereits für die Zertifizierung angemeldet.

Nach dem Waldbericht der Bundesregierung aus 2009 werden in Deutschland noch rund 7,3 Mio. ha (ca. 66 % der Waldflache) nach dem forstliche Zertifizierungssysteme „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC)“ und nur ca. 480.000 ha Waldflache (4,3 % der Waldflache) nach den ökologisch wertvolleren und vor allem besser überprüfbaren Kriterien des  „Forest Stewardship Council (FSC)“ bewirtschaftet.

für Rückfragen:

Jörg Nitsch, BUND Vorstandssprecher, 06074 81804102 oder 0171 6418094