14. Dezember 2011

Hessischer Bauernverband gegen Naturschutz / BUND kritisiert Äußerungen von Bauernverbandspräsident Schneider

Autobahnkreuz umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen (Foto: Jessica Lohmann  / pixelio.de)

Autobahnkreuz (Foto: Jessica Lohmann / pixelio.de)

Der hessische Landesverband des BUND zeigt sich empört über die naturschutzfeindliche Haltung des Bauernverbandes (HBV), die in einem Bericht der  Lampertheimer Zeitung vom 3.12.2011 über einen Meinungsaustausch zwischen Vertretern der südhessischen Landwirtschaft mit Regierungspräsident Baron zum Ausdruck kommt.

So ist es laut Artikel in dem Gespräch darum gegangen, dass in Hessen täglich 5 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche für Wohn- und Gewerbeflächen, Verkehrsflächen und andere Infrastruktureinrichtungen verloren gingen, aber auch für die hierfür erforderlichen Ersatzaufforstungen und Ausgleichsmaßnahmen.
 
Zu diesem Thema wird in dem Artikel der HBV-Präsident Wilhelm Schneider mit den Worten zitiert: „Wir sperren uns nicht gegen notwendige Infrastrukturprojekte, damit verbundene Ausgleichsmaßnahmen lehnen wir jedoch strikt ab.“

Für den BUND ist diese Aussage ein Generalangriff des Bauernverbandes gegen die naturschutzrechtliche Eingriff- und Ausgleichsregelung, mit der sichergestellt wird, dass bei Eingriffen nicht nur vom Konto der Natur abgebucht, sondern durch Biotopgestaltungen auch auf dieses Konto der Natur eingezahlt werden muss.

Herwig Winter, BUND-Vorstandssprecher: „Die Haltung des Bauernverbandspräsidenten ist unredlich. Nur die Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen durch Straßen und Gebäude stellt einen echten Verlust von Boden dar, der ein entscheidender, unvermehrbarer und unverzichtbarer Produktionsfaktor für die Landwirtschaft ist.“

Der BUND verweist darauf, dass bei der Umsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zwar auch landwirtschaftliche Flächen in Anspruch genommen und ggfs. durch Aufforstung der landwirtschaftlichen Produktion entzogen werden können, in vielen Fällen aber der Ausgleich für die Versiegelung von Flächen durch Auflagen für eine naturverträgliche landwirtschaftliche Nutzung erfolgt, mithin landwirtschaftliche Produktion weiter möglich bleibt.

Herwig Winter: „Wir kämpfen gern an der Seite des Bauernverbandes gegen den überbordenden landwirtschaftlichen Flächenverlust durch Bebauung. Jeder vermiedene Eingriff verhindert die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen durch naturschutzrechtlichen Ausgleich. Wir kämpfen aber gegen den Bauernverband, wenn er zwar den Bodenverlust durch Versiegelung akzeptiert, gleichzeitig aber gegen den Naturschutz zu Felde zieht.“

Rückfragen:

Michael Rothkegel, Geschäftsführer, 069 67737612