30. Juli 2010

„Unnötig werden wertvolle Grünlandflächen und Brutbiotope des Eisvogels zerstört!“

Verbandsklage gegen das Regierungspräsidium Kassel eingelegt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) reicht heute Verbandsklage gegen das Regierungspräsidium Kassel ein, weil die Behörde bei einer Baumaßnahme im Naturschutzgebiet „Oberer Linspherbach“ im Landkreis Waldeck-Frankenberg maßgebliche Vorschriften missachtet hat. „Wir wollen verhindern, dass unnötig wertvolle und geschützte Grünlandflächen und Brutbiotope des Eisvogels zerstört werden“, begründet Frank Schütz vom BUND Ortsverband Somplar die Klage.

Eigentlich hätte alles einvernehmlich erfolgen können: Der „Silbersee“ in der Gemeinde Bromskirchen soll wegen schlechter Wasserverhältnisse durch eine Abflachung der Ufer und eine Verkleinerung der Gewässeroberfläche renaturiert werden. Das hierzu benötigte Material soll aus dem benachbarten Naturschutzgebiet „Oberer Linspherbach“ gewonnen werden.

Die Aufwertung des Silbersees wird vom BUND grundsätzlich begrüßt. Nur die Verknüpfung mit einer angeblichen Bachrenaturierung des Linspherbaches lehnt der Verband ab, weil diese  erhebliche Eingriffe in das Gewässerbett und das angrenzende Grünland im Naturschutzgebiet bedeuten. Außerdem ist das Bodenmaterial aus dem Bachbereich wegen seines hohen Nährstoffgehalts zur Renaturierung des Silbersees schlecht geeignet.

Der BUND hat in seiner Stellungnahme aufgezeigt, dass die Begründungen zur Umgestaltung des Linspherbaches falsch waren. Weder gibt es im Umgestaltungsbereich die behaupteten Wanderhindernissen für die Tierwelt, noch eine monotone Gewässerstruktur als Folge einer Bachverlegung in der Vergangenheit.
Der Verband konnte vielmehr anhand einer Karte aus dem Jahr 1854 belegen, dass keine Verlegung des Baches stattfand. Auch in der amtlichen Gewässerstrukturgütekarte ist im Vorhabensbereich kein Sanierungsbedarf verzeichnet.

Der BUND hält es für unverantwortlich, für die geplante Maßnahme 180.000 € Steuergelder in Anspruch zu nehmen, obwohl es am Linspherbach Strecken mit dringenderem Renaturierungsbedarf gibt. Ob für diese Strecken zukünftig noch Geld zur Verfügung steht, wenn die jetzt beabsichtigte Maßnahme umgesetzt wird, ist angesichts der angespannten finanziellen Lage fraglich. Da die komplette Eder-Renaturierung bei Hatzfeld mit positiven Effekten für den Hochwasserschutz für 250.000€ durchgeführt werden konnte, fordert der BUND auch einen sorgsameren Umgang mit Steuergeldern für Umweltschutzmaßnahmen.

Da der Bescheid des RP gravierende Fehler aufweist, ist damit zu rechnen, dass der Klage des BUND stattgegeben wird.

Rückfragen beantworten Ihnen:

Frank Schütz, Sprecher des BUND Somplar: 02984 2420
Thomas Norgall, Naturschutzreferent: 069 67737614 oder 0170 2277238