14. Juli 2010

Neue Studie zeigt: Biblis A und B sind nicht sicher

BUND fordert umgehende und endgültige Stilllegung der Schrottreaktoren

Der hessische Landesverband des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) fordert Umweltministerin Lautenschläger auf, die Schrottreaktoren A und B des AKW Biblis umgehend und endgültig stillzulegen.

Der BUND verweist auf Ergebnisse einer von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen beauftragten Studie, die der ehemalige Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit im BMU, Wolfgang Renneberg, erstellt hat.

Danach zeigen Biblis A und B im Vergleich zu neueren Atomkraftwerken "deutlich geringere Sicherheitsreserven sowohl im Normalbetrieb, bei der Reaktion auf Betriebsstörungen sowie bei der Störfallbeherrschung. Gravierende Sicherheitsnachteile zeigen sich darüber hinaus im Fall eines Flugzeugabsturzes. Auch die radiologische Belastung des Personals ist in den alten Anlagen um ein Vielfaches höher."

Zu Biblis A führt die Studie u.a. aus, dass es kein unabhängig funktionierendes Notfall-Kühlsystem gibt, die Wasserreserven für die  Notkühlung geringer als bei moderneren Druckwasserreaktoren sind und der Schutz gegen Brandeinwirkungen innerhalb und außerhalb der Anlage schlechter ist.  

Michael Rothkegel, BUND-Geschäftsführer:"Alle in der Studie beschreibenen Sicherheitsrisiken von Biblis A und B sind auch Umweltministerin Lautenschläger bekannt. Nachgewiesen ist, dass ältere und alternde Atomkraftwerke störanfälliger sind.  
Wenn Ministerin Lautenschläger dennoch behauptet, dass Biblis A und B sicher seien und dehalb die Laufzeit verlängert werden könne, dann bürdet sie den Menschen das wachsende Restrisiko eines Super GAUs auf."
 
Auch das von Betreiberseite gern verwendete Argument, alte Reaktoren seien aufgrund von Nachrüstungen sicherheitstechnisch auf dem Niveau von neueren Anlagen trifft nach Aussage der Renneberg-Studie nicht zu, da Nachrüstungen immer an Grenzen stoßen würden.
So könnten konzeptionelle Sicherheitsnachteile der älteren AKW aufgrund eines veralteten Sicherheitsdesigns nur begrenzt ausgeglichen werden. Durch Nachrüstungen würden immer wieder auch neue Fehler verursacht, die dem Ziel, die Fehlerrate zu senken, entgegen wirken. Auch würden so neue Sicherheitsrisiken erst geschaffen. Die Studie führt weiter aus, dass zu einem bedeutenden Teil bislang Nachrüstungen deshalb erforderlich geworden seien, um die bereits zum Genehmigungszeitpunkt vorausgesetzte, aber tatsächlich nicht vorhandene Sicherheit nachträglich zu realisieren.

Michael Rothkegel: "1994 entschied die damalige CDU-FDP-Bundesregierung, dass zukünftig Atomkraftwerke nur dann neu gebaut werden dürfen, wenn der Nachweis erbracht ist, dass eine Kernschmelze beherrscht werden kann. Kein in Betrieb befindliches AKW in Deutschland entspricht diesem Sicherheitsstandard und kann auch nicht entsprechend nachgerüstet werden. Ein Weiterbetrieb der Atomkraftwerke oder gar eine Laufzeitverlängerung ist deshalb unverantwortlich."

Rückfragen:

Michael Rothkegel, BUND-Geschäftsführer
Tel. 0151 12068590 oder 069 67737612