18. September 2009

Europäischer Wildkatze gelingt Ausbreitung im Westen Hessens! Schutzmaßnahmen jedoch weiter dringend erforderlich.

Dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) gelingen erstmals sichere Wildkatzennachweise in lange unbesiedeltem Gebiet. Zudem legt der Verband den „Wildkatzenwegeplan Taunus-Rothaargebirge“ zur Herstellung und Sicherung der Wildtierwanderwege im wichtigsten Nord-Süd-Verbund der Wälder Hessens vor. Die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger, Schirmherrin der zugehörigen Kampagne „ein Rettungsnetz für die Wildkatze“, begrüßt Bestandserfassung und Wegeplanung als „wichtigen Schritt zum Erhalt der Artenvielfalt in Hessen“.

Es war die bisher größte „Lockstockaktion“ Deutschlands: Unter Leitung des BUND und des Instituts für Tierökologie und Naturbildung haben 58 Helfer ein Gebiet von rund 1.400 km² zwischen Taunus und Rothaargebirge zwei Monate lang mit Hilfe von 408 Lockstöcken auf Vorkommen der Wildkatze untersucht. Ministerin Lautenschläger und BUND-Vorstandssprecher Hermann Maxeiner loben die über 1.000 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden und heben hervor: „Bei der Aktion haben Naturschützer, Forstämter, Jäger und der Naturpark Hochtaunus in vorbildlicher Weise zusammengearbeitet“.
Dank der Lockstockbeprobungen konnte das Verbreitungsgebiet für den Westen Hessens nun neu bestimmt werden. Dipl. Biologe Olaf Simon: „Die Populationen haben sich vom Norden her aus dem Rothaargebirge und von Süden aus dem Taunus heraus aneinander angenähert.“
So kann der Taunus bis hin zum Lahntal nun als weitgehend besiedelt gelten, erste Wildkatzen aus dem hessischen Rothaargebirges haben inzwischen den Norden des Schelder Waldes erreicht. Fest steht aber auch, dass sich zwischen den beiden Vorkommen noch immer ein ca. 30 km breiter, wildkatzenfreier Raum befindet. Bspw. scheint eine Wiederbesiedlung des Hessischen Westerwalds bis heute nicht gelungen. Viele Straßen der Region stellen durch Unfalltod einen bedeutsamen Aderlass dar und vor allem die vierspurig ausgebaute B 49 zwischen Limburg und Wetzlar ist eine nahezu unüberwindbare Barriere. Im Wildtierschutz muss also noch einiges getan werden!
Aus diesem Grund hat der BUND zeitgleich mit den Ergebnissen der Bestandserfassung den „Wildkatzenwegeplan Taunus-Rothaargebirge“ vorgelegt. Eine flächenbezogene Handlungsempfehlung, die einen fast 100 km langen Biotopverbund über die Wälder in dieser Region beschreibt. Derzeit für die Wildkatze ungeeignete Räume und Barrieren (v. a. strukturarme Ackerlandschaften und stärker befahrene Verkehrswege) werden identifiziert und zu entwickelnde Vernetzungen im Offenland benannt. Der eigentliche Flächenbedarf zur Herstellung des Biotopverbunds ist mit weniger als 80 Hektar gering. Er entsteht durch die Anpflanzung von Gehölzen.
„Besonders wichtig ist auch die Überwindung der A 3 und der B 49 bspw. durch Querungshilfen und die Erhaltung naturnaher Bereiche im Dilltal und Lahntal, die weiterhin durch Flächenverbrauch bedroht sind“ so Sonja Gärtner, Projektleiterin beim BUND.
Die BUND-Wegepläne werden im neuen Landesentwicklungsplan für Hessen berücksichtigt und sollen gemeinsam mit den Gemeinden und Landnutzern umgesetzt werden. Profitieren werden davon alle Tier- und Pflanzenarten der Wälder, die in den Spuren der immer noch stark gefährdeten Wildkatze folgen können.
Weitere Informationen: www.bund-hessen.de

Die „Lockstockmethode“ gilt als sichere Methode des Wildkatzennachweises: sägeraue, eingekerbte Holzlatten werden mit Baldrian besprüht und in möglichem Wildkatzengebiet aufgestellt. In der Paarungszeit lockt der Duft die Katzen an. Sie reiben sich am Stock und hinterlassen Haare. Diese werden im Forschungsinstitut Senckenberg genetisch analysiert und können zeigen, ob es eine Haus- oder eine Wildkatze war, ein weibliches oder männliches Tier und aus welcher geographischen Region es stammt. Eine Bestandserfassung, bzw. Verortung der Wildkatzenvorkommen ist wesentliche Voraussetzung zur gezielten Durchführung von Schutzmaßnahmen.


Bildmaterial bitte anfragen:

  • Wildkatze (von: Thomas Stephan), weitere Fotos können zur Verfügung gestellt werden
  • Die Biologen Olaf Simon und Karsten Hupe bei der Kontrolle und GPS-Einmessung eines Lockstocks (von: Institut für Tierökologie und Naturbildung)

Ansprechpartnerin beim BUND Hessen

Sonja Gärtner