17. September 2009

Eröffnung der E.ON Pilotanlage am Kohlekraftwerk Staudinger / BUND: CO2-Abscheidung und Speicherung im Untergrund ist ineffizient, gefährlich und teuer

Anlässlich der Eröffnung der E.ON-Pilotanlage für CO2-Abscheidung am Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg am Freitag, kritisiert der hessische Landesverband des BUND die Technik der CO2-Abscheidung und Verpressung des abgetrennten CO2 in den Untergrund als energiepolitischen Irrweg.

Herwig Winter, BUND-Vorstandssprecher: „E.ON  will mit aller Macht Block 6 durchdrücken und versucht mit der CO2-Abscheidung dem Klimakiller Kohle ein Ökomäntelchen umzuhängen. Das Mäntelchen passt aber nicht, weil es das CO2-freie Kohlekraftwerk niemals geben wird. Auch ist völlig unklar, wo und wie dauerhaft in ferner Zukunft einmal abgetrenntes CO2 unterirdisch gelagert und gespeichert werden kann. Es wäre schon interessant zu erfahren, welche Lagerstätten in Hessen von E.ON und der hessischen Landesregierung für geeignet gehalten werden. Oder gibt es schon Pläne für eine Pipeline, um abgeschiedenes CO2 aus Hessen herauszuschaffen?“

Der BUND erinnert daran, dass die CDU in Schleswig-Holstein das geplante CCS-Bundesgesetz gestoppt hat, weil es großen Widerstand der Bevölkerung gegen eine CO2-Pipeline gab, nachdem der BUND in Nordrhein-Westfalen entsprechende Pläne von RWE bekannt gemacht hatte.

Nach Angabe des BUND verbleiben bei allen bisher geplanten Verfahren zur CO2-Abscheidung je nach Kraftwerksart CO2-Emissionen zwischen 60 und 150 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde Strom.

Das von E.ON favorisierte Post-Combustion-Verfahren, also die Abscheidung von CO2 nach der Kohleverbrennung aus den Rauchgasen, erfordere einen nicht geringen zusätzlichen Energieaufwand. Der von E.ON präsentierte Wirkungsgrad des Blocks 6 von 44%  werde dann auf nur noch 37% oder weniger sinken.

Allein um das CO2 abzutrennen, müssten nach BUND-Angabe etwa 400.000 t Kohle jährlich antransportiert und verbrannt werden, mit allen damit verbundenen Belastungen für die betroffene Bevölkerung.

Der Mehreinsatz von Kohle verschlechtere, neben dem Investitionsaufwand für die Anlage zur CO2-Abscheidung, den Abtransport und die Speicherung des CO2, die Wirtschaftlichkeit der Gesamtanlage und der Stromproduktion erheblich. In Fachkreisen werde von Mehrkosten zur CO2-Abscheidung und -lagerung von mindestens 50-100€  pro Tonne CO2 ausgegangen. Dies würde den produzierten Strom bei einem CO2-Ausstoß von 700 g pro kWh um wenigstens 5-10ct pro kWh Strom verteuern.

Herwig Winter: „Die Propagierung der Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2 ist eine Täuschung der Öffentlichkeit. Diese Technik, wenn sie denn jemals in großem Maßstab funktionieren wird, ist weder einfach noch ungefährlich und sie ist auch nicht wirtschaftlich.“