9. Oktober 2009

Ministerpräsident Koch handelt unverantwortlich und gegen die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung / BUND: Koalitionäre dürfen AKW-Laufzeiten nicht freigeben. Nachrüstungen können Sicherheitsprobleme nicht lösen

Der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die bekannt gewordenen Pläne von Ministerpräsident Roland Koch im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und FDP in Berlin, der gemeinsam mit seinem baden-württembergischen Amtskollegen Öttinger die Befristung der Laufzeiten aller Atomkraftwerke aufheben will.

Hermann Maxeiner, BUND-Vorstandssprecher:"Biblis A und B sind unsicher und weisen erhebliche Sicherheitsmängel auf, die nicht durch Nachrüstungen zu beheben sind, wie z.B. der fehlende Schutz gegen Flugzeugabstürze verdeutlicht. Eine unbefristete Laufzeitverlängerung der beiden Schrottreaktoren erhöht die Gefahr eines katastrophalen Unfalls mit verheerenden Folgen und lässt die Atommüllmege weiter steigen, für deren Lagerung es nach wie vor keine Lösung gibt. Der einzig verantwortbare Umgang mit dem AKW Biblis ist die sofortige endgültige Stilllegung."

Der BUND wirft CDU und FDP vor, dass eine völlige Freigabe der AKW-Laufzeiten in Deutschland nichts mit der von Union und Freidemokraten angeblich gewollten Brückentechnologie zu Erneuerbaren Energien zu tun habe. Sie werde vielmehr den Stromkonzernen enorme Zusatzgewinne bescheren und den Ausbau der Erneuerbaren behindern.

Hermann Maxeiner: "Ministerpräsident Koch stellt sich mit seinen Plänen gegen die Mehrheit in der Bevölkerung. Zwei Drittel der Deutschen wollen nicht länger den unbeherrschbaren Risiken der Atomenergie ausgeliefert sein.“

Die Ankündigung, dass es Laufzeitverlängerungen nur nach einer strengen Sicherheitsüberprüfung geben soll, sieht der BUND skeptisch, weil es völlig unklar sei, was das unter dem Strich heißen werde. Atomkraftwerke liessen sich niemals gegen Terrorattacken und Flugzeugabstürze hundertprozentig sichern. Weitgehend unerforscht und schwer beherrschbar seien auch die Risiken durch Alterungsprozesse. In der Vergangenheit seien Risse, Materialermüdungen oder Veränderungen elektrischer und anderer physikalischer Eigenschaften nur zufällig entdeckt worden, obwohl sie schon seit längerem existiert hätten.

Der BUND verweist darauf, dass in Biblis B Risse in Schweißnähten von zwei Stutzen des Notkühlsystems 27 Jahre lang nicht untersucht und entdeckt worden sind. Fünf Jahre hätte es gedauert, bis erkannt wurde, dass 15.000 Dübel, die 2001 zur Stärkung der Erbebensicherheit von Rohrleitungen in Block A und B eingebaut wurden, fehlerhaft montiert waren.

BUND-Studie zu Gefahren von Laufzeitverlängerungen (pdf, 230 KB, 50 Seiten)

Weitere Auskünfte gibt Ihnen:

Michael Rothkegel
BUND-Geschäftsführer
Tel.: 069 67737612 oder 0151 120 68 590