31. März 2009

Staudinger Raumordnungsverfahren: Expertenstreit - Gesundheitsgefahren werden höher

Staudinger Raumordnungsverfahren: Expertenstreit - Gesundheitsgefahren werden höher.

Pressemitteilung, 31. März 2009

Dieser Tag der Erörterung befasste sich mit den Themen Radioaktivität, Klimaschutz und Gesundheitsschutz.

Auch Kohlekraftwerke geben radioaktive Gase und Stäube von sich. Dies kann sogar mehr sein als ein Atomkraftwerk (sofern dort keine Störfälle auftreten). Christian Küppers (Öko-Institut) und Mitglied der Strahlenschutzkommission stellte fest, dass dieses Thema im Jahr 1981 in der SSK behandelt wurde, aber seither nicht mehr. Man müsse sich nun aber darum kümmern. Die Unterlagen von EON waren allerdings nicht belastbar. Für die Radioaktivität in der Kohle wurden Literaturwerte aus den 80er Jahren zitiert. Nur das Einatmen von Gasen wurde berücksichtigt, aber nicht die Aufnahme von radioaktiven Stäuben. Dr. Neumann (BUND) verwies auf die Kinderkrebsstudie, die zeigt, dass im Umfeld von Atomkraftwerken die Leukämierate steigt. Dies sei daher auch bei Kohlekraftwerken zu untersuchen.

Eigentlich zu kurz aber konzentriert erfolgten die Stellungnahmen der Einwender zum Klimaschutz. Die CO2-Emissionen sollen mit Block 6 von 5 Mio. to auf über 8 Mio. to im Jahr steigen. Bezogen auf die Strommenge eine allenfalls 15%ige relative Senkung, während EON immer noch 20% behauptet, und nach den Zielen der Bundesregierung eine Senkung um 30 % gefordert wird und bis zum Jahr 2050 eigentlich 80% reduziert werden müssen. Winfried Schwab-Posselt von der BI zeigte mit bewegter Stimme die Klimagefahren auf und appellierte an die Verantwortung für den weltweiten Klimaschutz. Dr. Neumann (BUND) stellte fest, dass die von Block 6 verursachten Klimaschäden mindestens 400 Mio. EUR im Jahr betragen und EON in einen Fonds einzahlen müsse, damit weltweit die Opfer des Klimawandels entschädigt werden. Es würde sich damit der Strompreis verdoppeln. Dies zeige den klimapolitischen Unsinn des neuen Kohlekraftwerks auf.

Breit angelegt war die Diskussion über die „umweltmedizinische“ Beurteilung des Prof. Eikmann im Auftrag von EON. Die Professoren Steffens und Seipp von der Fachhochschule Friedberg-Giessen kritisierten die Ansätze, Methodik und Ergebnisse des Gutachtens. Wenn man Unsicherheiten der Messungen und Berechnungen einbezöge, würden vielfach die Irrelevanzschwellen überschritten. Insbesondere bei Feinstaub und Stickoxiden lägen dann Werte vor, die zeigen, dass eine deutliche Senkung erforderlich sei. Die immensen Emissionen des giftigen Kohlenmonoxids seien nicht berücksichtigt worden. Antwort Eikmann: dieser Stoff kommt der Verordnung nicht mehr vor.

Die Giessener Professoren wiesen auch auf die Freisetzung von gefährlichen Legionellen aus dem Kühlturm hin. Der von EON beauftragte Prof. H.-P. Werner stritt ab, dass Legionellen aus Kühltürmen kämen, auch würden keine Biozide eingesetzt. Dr. Neumann (BUND) zitierte, dass den Unterlagen gemäß doch Biozide eingesetzt würden und in Frankreich ein staatliches Programm zur Untersuchung von Legionellen in Kraftwerkskühltürmen der Atomkraftwerke seit 2004 laufe.

Weitere Beiträge u. a. von Monika Heilmann-Winter (BI Stopp Staudinger) ließen nicht locker - es zeigte sich, dass vor allem die Feinstaubbelastung in Zukunft die Begrenzung der Emissionen darstellen wird. Hier hofft EON auf eine Genehmigung, die künftige erforderliche Reduzierung in der Region müssten dann Verkehr, Gewerbe und Hauseigentümer tragen. Eikmanns Trick im Gutachten: Es werden die Zahlen aus anderen Berechnungen dargestellt und ohne weitere fachliche Begründung festgestellt - diese Belastung sei ungefährlich, weil sie sowieso schon vorläge. Der BUND stellte den Antrag das Gutachten Eikmann daher nicht weiter zu berücksichtigen. Als Dr. Neumann vom BUND nachfragte, welche Belastung denn für Eikmann denn „normal“ sei und ob eine Steigerung der Quecksilberemissionen von 52 auf 700 kg im Jahr toxikologisch für Eikmann akzeptabel sei, gab der Versammlungsleiter des RP Hr. Grimm diese Frage nicht weiter, sie sei „rhetorisch“. Darauf stellte Dr. Neumann für den BUND einen Befangenheitsantrag gegen das RP. Es war 19:00 Uhr.

Werner Neumann, werner.neumann@bund.net

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
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