27. März 2009

Staudinger Raumordnungsverfahren: EON-Versprechen zur Senkung der Emissionen löst sich in Rauch auf

Staudinger Raumordnungsverfahren: EON-Versprechen zur Senkung der Emissionen löst sich in Rauch auf

Pressemitteilung, 27. März 2009/ 29. März 2009

Am Freitag, 27. März stand nochmals die Frage der Notwendigkeit des Blocks 6 zur Debatte. Der Energiesachverständige Dr. Großcurth vom Arrhenius-Institut Hamburg zeigte auf der Grundlage ökonomischer Modellrechnungen, dass es keinen (!) wirtschaftlichen Sinn mache, heute Kohle-kraftwerke zu bauen. Insbesondere würde es im Jahr 2030 keinen Strombedarf mehr für Grundlastkraftwerke wie Block 6 mehr geben, weil ein fluktuierendes Stromangebot aus erneuerbaren Energien dominieren werde. Großcurth befürchtet, dass gleichwohl solche Anlagen gebaut würden und später die Betreiber nach Subventionierung ihrer Kohlekraftwerke rufen, weil zuviel Strom aus erneuerbaren Energien produziert werde. Absurder könne daher die Zukunftsperspektive des Kohlekraftwerks Block 6 nicht sein, ein Dinosaurier schon vor seiner Geburt!

Großcurth kritisierte auch die Bedarfsberechnungen von EON und PROGNOS. Es mache keinen Sinn, nur den Strombedarf in Hessen zu betrachten. Die Potentiale erneuerbarer Energien wären ja nicht gleichmäßig in Deutschland und Europa verteilt, so dass eine kleinteilige Betrachtung nicht sinnvoll sei.

Hauptdiskussionspunkt waren die Emission von Schadstoffen. Nach 2 Stunden Diskussion welche Eigenschaften die eingesetzte Kohle hat, lagen mehr Fragen als Antworten auf den Tisch. Die Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ fragte, warum die CO2-Emissionen der Steinkohle ähnlich liegen würden wie bei Braunkohle. Dr. Neumann vom BUND zeigte, dass in den Unterlagen vier verschiedene Angaben des Energieinhaltes der Kohle verwendet würden, die sich um bis zu 30% unterscheiden. Daraus ergeben sich erhebliche Widersprüche.

Bekanntlich „verspricht“ EON, die Schadstoffemissionen (Stickoxide, Schwefeldioxid, Staub) zu reduzieren. Dr. Neumann (BUND) kritisierte, dass EON willkürlich als Referenzzeitraum die Jahre 1996-2006 nehmen würde. Nähme man aber die Jahre 2000-2006 lägen die Emissionen von Stickoxiden und Schwefeldioxid um mehr als 10% höher als bisher. Außerdem würden insbesondere bei den Schwermetallen die geplanten Emissionen sogar um das 6-10 fache höher als in den vergangenen Jahren. EON hatte die Bezugswerte bezeichnenderweise nicht in den Unterlagen aufgeführt. Einstimmig wurde die Vorlage der vollständigen Werte der Schadstoffemissionen in den letzten Jahren gefordert. Auch sollen die geplanten Emissionen der Schwermetalle getrennt nach den einzelnen Blöcken darstellt werden. Wiederum waren die Unterlagen unvollständig.

Fazit dieser Prüfung ist, dass damit das „Versprechen“ von EON, der ökologischen Entlastung der Region in sich zusammenfiel. Die Schadstoffemissionen werden in jedem Fall für viele Stoffe deutlich höher sein, auch bei den Stoffen, die angeblich verringert würden. Damit lösen sich auch die politischen Träume auf, die auf diese Zusicherung setzten. Es liegt ein gravierender Verstoß gegen den Grundsatz der Raumordnung vor, dass neue Kraftwerke nur gebaut werden dürfen, wenn ökologische Vorteile nachweisbar sind. Von ökologischen Vorteilen des Blocks 6 war bislang nichts zu sehen.

Nicht nur optisch wird der 180 m hohe Kühlturm (das wäre der dritte an diesem Standort!) eine beeindruckende Wirkung haben. Nachfragen von Dr. Neumann (BUND) und RA Möller-Meinecke (für die Kommunen) stellen grundsätzlich in Frage, ob diese Kühlturmtechnik die „beste verfügbare Technik“ darstelle. EON konnte nicht nachweisen, warum nicht auch andere Kühlturmtechniken, die weniger Wasserdampfschwaden und Wasserverbrauch aufweisen eingesetzt werden können. EON einen bunten Bildervortrag und drückte sich um Zahlenangaben. Diese Zahlenangaben wurden nun nachgefordert.

Werner Neumann, werner.neumann@bund.net

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse