30. März 2009

Staudinger Raumordnungsverfahren: Eins ist sicher - die Zahlenwerte sind unsicher - .. oder nicht vorhanden.

Staudinger Raumordnungsverfahren: Eins ist sicher - die Zahlenwerte sind unsicher - .. oder nicht vorhanden.

Pressemitteilung, 30. März 2009

Am Montag, 30. März wurde die Kritik an den Schadstoffemissionen durch das geplante Kohle-kraftwerk Staudinger Block 6 umfassender, detaillierter, schärfer vorgetragen. Wesentlich ist für das Verfahren, ob eine Senkung der Schadstoffemissionen erfolgen wird und damit verbunden auch eine Senkung der Immissionen, d.h. der Schadstoffbelastung in der nahen und weiten Umgebung.

Detailliert wurde das mathematische Modell zur Ausbreitung der Schadstoffe durch den Sach-verständigen des BUND, Helmut Kumm kritisiert. Das von EON verwendete Modell „AUSTAL 2000“ wäre nicht die einzige Möglichkeit der Berechnung und würde für den komplexen Fall der Schadstoff-Emission durch den Kühlturm (statt Schornstein) nicht taugen, stellte Kumm fest. Andere Verfahren seien auch verlässlich und würden eher höhere Werte liefern. Der Gutachter EONs berief sich auf eigene Untersuchungen, bei denen die Belastungswerte ohne weiteres um den Faktor zwei nach unten aber auch nach oben abweichen. Zudem wurde die Windverteilung aus Kahl in 25 m Höhe als Grundlage für die Ausbreitung aus dem Kühlturm in 180 m Höhe genommen. Damit wurden fehlerhaft vollkommen andere Windverhältnisse angesetzt. Dr. Werner Neumann (BUND) brachte es auf den Punkt: „Es ist nicht sicher nachgewiesen, dass die Umweltbelastung sinken wird“.

Im Gegenteil - bei der Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch Schwermetalle ist mit Sicherheit von deutlich steigenden Immissionen zu rechnen. Der Trick von EON: als Vergleich wird eine „Droh-Variante angesetzt, bei der die 30-35 Jahre alten Kraftwerksblöcke so richtig dick die Schadstoffe ausstoßen. Der richtige Vergleich muss aber mit den Emissionen der letzten Jahre getroffen werden - diese Zahlenwerte finden sich aber nicht in den Unterlagen. Erst am 31. Mai 2009 muss EON diese Emissionswerte für das Jahr 2008 abliefern. Dr. Neumann forderte daraufhin die Aufschiebung der Erörterung, bis diese Werte vorliegen.

Ein Paradebeispiel sind die EON-Werte für das giftige Schwermetall Quecksilber. Der Bezugswert in Alzenau von 0,029 μg/qm* Tag ist schon ein Mittelwert mit Spitzenwerten von 1,99 in einem Monat. Ein Spitzenwert von 12 μg /qm*Tag wurde willkürlich aus der Statistik getilgt. Hier zeigte sich, dass die Hauptemissionen Richtung Osten (Bayern) ziehen. EON behauptete, die Immission wären überall ähnlich. Dies ist jedoch schwer zu prüfen, denn es fehlten Ortsangaben zur Schwermetallbelastung von Wald, Acker und Grasland.

Rätselhaft blieb schließlich, wie weit die Schadstoffe verteilt werden. Dr. Neumann wies daraufhin, dass bei einer Emission von 700 kg Quecksilber im Jahr und einem angeblich maximalen Eintrag von nur 0,054 μg/qm * Tag ein Bereich von ca. 600 km *600 km mit dieser Belastung eingedeckt werden müsste. Untersucht wurde aber nur ein Bereich mit dem Radius von 10 km. Entweder ist die Belastung höher als die Berechnungen von EON sagen oder der Bereich der belastet wird - oder beides !

Wichtig war die Antwort des Regierungspräsidiums (RP), auf die Frage, ob die von EON zugesagten maximalen Jahresmengen der Emissionen (NOx, SO2, Staub) denn dauerhaft überwacht werden könnten. Dies sei weder juristisch noch technisch zu Ende gedacht, sagte der Vertreter des RP. Dr. Neumann (BUND) beantragte daraufhin, das nicht belastbare „Versprechen“ von EON nicht weiter zu berücksichtigen - die von der Politik erwartete ökologische Verbesserung sei also nicht nachprüfbar.

Fazit: Nicht belastbare Ausbreitungsberechnungen mit willkürlich verschobenen Windverteilungen führen zu angeblichen Reduzierungen der Schadstoffbelastung, die aber nicht verlässlich überwacht werden können und für die es keine aktuellen Referenzwerte gibt. TOLL!

Werner Neumann, werner.neumann@bund.net

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
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