25. März 2009

Staudinger Raumordnungsverfahren: Bedarfsnachweis für Kohleblock - Fehlanzeige

Staudinger Raumordnungsverfahren: Bedarfsnachweis für Kohleblock - Fehlanzeige

Pressemitteilung, 25. März 2009

Graue Wolken am Himmel, graue Schadstoff beladene Wasserdampfwolken aus dem Kühlturm, die sich über die Ortschaften senkten, waren die Einstimmung zum zweiten Tag des Erörterungstermins zum geplanten Steinkohlekraftwerk EON Staudinger Block 6. Thema war die energiewirtschaftlichen Notwendigkeit, kurz die Frage, ob und warum die Stromproduktion von Block 6 überhaupt gebraucht wird.

Winfried Schwab-Posselt von der Bürgerinitiative "Stopp Staudinger" kritisierte, dass EON in Großbritannien verkündet hatte, dass dort der von EON geplante Ausbau von Atomkraftwerken eine Beschränkung der erneuerbaren Energien erfordern würde. Die BI befürchtet, dass in ähnlicher Weise hierzulande das riesige Steinkohlekraftwerk den Ausbau der erneuerbaren Energien in den nächsten 40 Jahren blockieren wird. Hierzu musste EON einräumen, dass die Betriebszeiten des geplanten Blocks immer mehr durch zunehmenden Strom aus erneuerbaren Energien von 7000 auf 4000 Jahresstunden eingeschränkt wird. EON ließ damit die bisherige These vom Grundlastkraftwerk fallen. Damit steht aber nun die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks in Frage.

Dr. Werner Neumann vom BUND zeigte, dass der Kohleblock gleich mehrfach überflüssig sei. Mit Stromeinsparung, Ausbau von Stromerzeugung aus Biomasse und Windenergie, sowie dezentralen Blockheizkraftwerken könne die geplante Stromproduktion aus Block 6 letztlich dreifach ersetzt werden. Neumann zitierte mehrere Studien, die für das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt erstellt wurden. Im Ergebnis zeigte sich immer, dass neue Kohlekraftwerke nicht erforderlich sind, diese die Klimaschutzziele konterkarieren und somit nicht in einen zukünftigen Kraftwerksmix passen.

Insbesondere nahm sich Neumann die von EON beauftragte Studie von PROGNOS vor. Hier zeigten sich mehrere gravierende Fehler und Widersprüche. Vor allem wurde das Potential in Hessen für Kraft-Wärme-Kopplung von PROGNOS um das Fünffache unterschätzt, das Windstrompotential um das Dreifache. Der BUND forderte daher das Regierungspräsidium auf, den Studien von EON nicht zu glauben, sondern auch andere Sachverständige hinzuzuziehen.

Politisch pikant war der Hinweis von EON, man brauche den Kohleblock, um in Hessen die Atomkraftwerke Biblis A und B zu ersetzen. Dies sei - so EON auf Nachfrage - aber nicht mit RWE abgesprochen. An anderer Stelle behaupteten die Gutachter dagegen, der Kohleblock 6 würde andere Kohlekraftwerke ersetzen. Auf Nachfrage von Rechtsanwalt Möller-Meinecke für die Kommunale Arbeitsgemeinschaft, konnte EON aber nicht benennen, welche Kraftwerke konkret abgeschaltet würden.

Herr Schmidt von der BI befasste sich mit der Fernwärmeauskopplung. Von EON geplant ist, dass jährlich ca. 1,5 Mio. to Kohle ungenutzt als Abwärme verschwendet werden. Allerdings erwies sich die Auskopplung von Fernwärme über große Entfernungen als aufwändig und teuer ist. Völlig unklar blieb, wo, wie und von wem diese Wärme im Rhein-Main-Gebiet vor Ort verteilt und verkauft werden soll. Eine Fernwärmeleitung soll nach Offenbach und Frankfurt gehen - dort bestehen aber schon lokale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Zudem musste EON einräumen, dass die Auskopplung von 300 MW aus dem geplanten Block 6 nur eine Redundanz (Absicherung) gegenüber der schon seit Jahren bestehenden Wärmeauskopplung aus Block 5 darstelle. Damit ist aber der geforderte ökologische Nutzen dieser viel diskutierten Fernwärmeauskopplung nicht mehr darstellbar.

Die Kritiker des Baus des Blocks 6, konnten zeigen, dass 20% des Strombedarfs eingespart werden können, die großen Potentiale der Kraft-Wärme-Kopplung dezentral zu finden sind und eine deutlich zunehmende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien den Bau des Steinkohlekraftwerks letztlich überflüssig macht. Diese Potentiale sind so groß, dass damit auch die Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis A und B abgedeckt ist.

So blieb am Ende keine belastbare Argumentation, warum angesichts vielfacher Alternativen der neue Kraftwerksblock wirklich gebraucht werde. Im Gegenteil würde der Block 6 umweltfreundlichere bestehende und zukünftige Alternativen der Strom- und Wärmeversorgung ersetzen bzw. behindern.

Werner Neumann, werner.neumann@bund.net

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
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