23. September 2008

Joschka Fischer auf dem falschen Kohledampfer

Joschka Fischer auf dem falschen Kohledampfer

Pressemitteilung, 23. September 2008

Der Landesverband Hessen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) widerspricht grundsätzlich der Meinung von Joschka Fischer, es müssten neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Fischer hatte in einem Interview (Zeitschrift „ZEO2“) festgestellt, man könne, wenn man auch aus der Atomenergie aussteigen wolle, nicht zugleich auf Kohlekraftwerke „als Übergangstechnologie“ verzichten. Da dies aber die CO2-Emissionen steigern würde, sollten diese mit der „CCS-Technik“ zur CO2-Abscheidung und –lagerung nachgerüstet werden.

Der BUND stellt fest, dass Fischer offensichtlich schlecht informiert ist. Die CCS (Carbon Capture and Storage)-Technik würde beispielsweise beim geplanten Block 6 des EON-Kohlekraftwerks Staudinger den Bau eines weiteren Riesenblocks allein zur CO2-Abtrennung bedeuten. Die Investitionskosten stiegen von über 1 Mrd. € auf über 2 Mrd. €. Durch den Energieaufwand zur CO2-Abtrennung würde der schon schlechte Wirkungsgrad von 48% um ein Viertel auf 33% absinken. Zwei Drittel der eingesetzten Kohle aus Übersee würden nicht in Strom umgewandelt, die Energieverschwendung würde deutlich gesteigert.

„Mit CCS würden sich die Stromerzeugungskosten fast verdoppeln“, erläuterte der Energiesprecher des BUND, Dr. Werner Neumann. „Stromeinsparung sowie Strom aus Windenergie und Biomasse wären dann deutlich preisgünstiger.“

Der BUND verweist darauf, dass Pipelines gebaut werden müssten, um das CO2 zu geeigneten Lagerstätten zu transportieren, die es in Hessen nicht gebe. Gefährlich wären Leckagen, da durch Austritt das schweren CO2 Gefahren für die Bevölkerung drohten.

BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter: “Fischer fährt hier auf dem falschen Kohledampfer. Kohlekraftwerke sind die Sargnägel des Klimaschutzes. Will man ihr CO2 einfangen, wird die Sache erst recht ineffizient, unwirtschaftlich und gefährlich. Da auch Joschka Fischer nicht weiß, wo und wie das CO2 dauerhaft gelagert werden kann, werden hier Risiken in unverantwortlicher Weise auf künftige Generationen verlagert.“

Der BUND hält es für unvernünftig, bei der Stromerzeugung CO2 zu erzeugen, es dann mühsam einzufangen und schließlich nicht zu wissen wohin damit. Vernünftiger wäre es, gleich auf die effiziente Nutzung der CO2-freien Erneuerbaren Energien zu setzen Kohlekraftwerke seien keine Brücke ins Solarzeitalter sondern allenfalls eine Krücke der Energiekonzerne.
Würden die für neue Kohlekraftwerke und CCS-Technologie nötigen Milliarden Euro für Energie-einsparung, Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien verwendet, wäre es kein Problem, die Atomkraftwerke Biblis A und B endlich stillzulegen und auf neue Kohlekraftwerke zu verzichten. Es würde weder eine herbeigeredete „Stromlücke“ auftreten, noch würden die Strompreise massiv steigen.

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse