13. Juni 2008

Fraports Klimaschutz-Programm ist eine Mogelpackung!

Fraports Klimaschutz-Programm ist eine Mogelpackung!

 

Pressemitteilung, 13. Juni 2008

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist das gestern angekündigte Klimaschutz-Programm der Fraport eine Mogelpackung. BUND Vorstandssprecherin Brigitte Martin: "Da stimmen die Versprechungen nicht mit den Realitäten überein". Der Flughafenausbau ist schädlich für das Klima. Die Ankündigung des Fraport-Chefs Wilhelm Bender nach einem "CO2 neutralen" Flughafenausbau wird ein leeres Versprechen bleiben.

Der BUND bezieht sich bei seiner Kritik auf die von Fraport selbst erstellten Planfeststellungsunterlagen, die im Frühjahr 2007 offengelegt wurden. Danach steigen die Kohlendioxid-Emissionen durch den Flughafenausbau von 2005 bis 2020 um 87 % oder 964.961 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr an. Ein CO2 neutraler Ausbau, wie ihn Fraport-Chef Wilhelm Bender der Öffentlichkeit heute versprochen hat, würde also voraussetzen, dass diese gewaltige Steigerung klimaschädlicher Gase in vollem Umfang durch Einsparungen kompensiert und nicht eintreten würde.

Tatsächlich führen die von Bender genannten Reduktionspotenziale aber nicht zu einem klimaneutralen Flughafenausbau, sondern nur zu einer Begrenzung des Anstiegs der zusätzlichen jährlichen Kohlendioxid-Emissionen. Lediglich die vom Flughafenausbau zusätzlich ausgelösten Kohlendioxid-Emissionen würden um ca. 30 % kleiner ausfallen und dann aber immer noch ca. 650.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zusätzlicher Emissionen betragen.

Unzulässig ist die Verknüpfung der Klimaschutzziele mit den - angeblich - künftig geringeren Emissionen durch den - angeblichen - Wegfall von Warteschleifen. "Diese Veränderungen sind bereits in die Berechnungen zur Planfeststellung eingegangen und haben nichts mit einer zusätzlichen Verbesserung der Situation zu tun", stellt Brigitte Martin vom BUND klar. Vielmehr würde die Öffentlichkeit durch die Verknüpfung über die Zusammenhänge getäuscht, denn der gewaltige Zuwachs der Emissionen nach dem Ausbau entstünde trotz der angeblichen Verbesserung bei den Warteschleifen.

Schwierigkeiten hat die Fraport einmal mehr mit der richtigen Beurteilung ihres Handelns für den Wald. Wenn sie darauf hinweise, dass die jährlich geplanten Kohlendioxid-Einsparungen je Flugpassagier der Fläche von 60 Hektar Laubwald entspreche, dann verschweige sie, dass der Flughafenausbau zur Rodung einer fast fünfmal so großen Waldfläche führe. Sollten nur die vom Ausbau ausgelösten zusätzlichen Kohlendioxid-Emissionen durch Wald gebunden werden, müsste bei Berücksichtigung der Fraport-Kalkulation und je nach Erfolg bzw. Misserfolg des heute angekündigten Klimaschutz-Programms jährlich die Neupflanzung von 300 bis 445 Hektar Wald erfolgen.

Kritisch bewertet der BUND, dass zum Klimaschutz - wie beim Lärmschutz - erneut nur eine Ankündigung gemacht wurde. "Wir erwarten endlich Taten", sagt BUND Vorstandssprecherin Brigitte Martin.

Die Kritik des BUND berücksichtigt bereits die für den Flughafenbetrieb günstigen Zahlen der Planfeststellungsunterlagen zum Ausbau. Dort wurden nämlich nicht die Emissionen der gesamten zusätzlichen Flugstrecken berücksichtigt, sondern nur die Emissionen im Nahbereich des Flughafens. Unberücksichtigt lässt der BUND bei seiner Kritik auch die gravierenden Unterschiede in der Klimarelevanz der Emissionsorte. "Da Emissionen in den Flughöhen viel schlimmer sind als am Boden, kann die Reduktion einer Tonne Kohlendioxid am Boden den Mehrausstoß während eines Fluges leider nicht kompensieren", stellt BUND Vorstandssprecherin Brigitte Martin fest.

Zum Hintergrund:

1. "Geplante" neue Zusatzbelastung an CO2 durch den Flughafenausbau

  • Jährliche Zusatz-Emission an CO2 durch den Flughafenausbau laut Planfeststellungsunterlagen (Ordner 39, Gutachten 1, Teil III, S. 81): 964.961 Tonnen
  • Angekündigte jährliche Reduktion bis 2020 durch Umstellung auf "Öko-Strom": 185.000 Tonnen
  • ... und pro Flugpassagier: 130.000 Tonnen
  • "Geplante", neue Zusatzbelastung an CO2 durch den Flughafenausbau: 649.961 Tonnen

2. Notwendige Waldfläche zur Bindung der jährlichen CO2 Zusatzbelastung

  • CO2 Bindung je Hektar Laubwald (130.000 CO2 Tonnen ./. 60 Hektar): 2.166,7 CO2-Tonnen/Hektar
  • Jährliche Aufforstungsfläche bisher (CO2 Zusatzemission von 964.961 Tonnen): 445 Hektar
  • Jährliche Aufforstungsfläche neu-geplant (CO2 Zusatzemission von 649.961 Tonnen): 300 Hektar

3. Aktuelle BUND-Studie zur Klimaschädlichkeit der Luftfahrt:

 

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Thomas Norgall (Naturschutzreferent)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse