14. September 2004

BUND stellt Anforderungen der Nutzer an die DB-AG vor

BUND stellt Anforderungen der Nutzer an die DB-AG vor

Pressemitteilung, 14. September 2004

"Die Wünsche der Bahnkunden werden durch die Bahn-Reform nicht erfüllt!" fasst BUND-Verkehrssprecher Harald Hoppe die Anforderungen an die Bahn zusammen.

Auf seiner Internet-Seite hatte der Umweltverband eine Auswahl von sinnvollen Forderungen an die Bahn vorgestellt und um die Meinung der Leser gebeten. Das Ergebnis - zu dem in erster Linie BUND-Mitglieder aus Hessen beigetragen haben - bestätigt die Einschätzung des Verbandes, dass sich die Kundenwünsche in den Änderungen des Bahnsystems nicht ausreichend wiederspiegeln. Die Nutzer der Bahn, die zum größten Teil auf Strecken unter 300 km unterwegs sind - also keine potentiellen ICE-Kunden sind - konnten unter zehn Forderungen ihre Auswahl treffen.

Der mit Abstand am häufigsten genannte Aspekt ist die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Zugverbindungen. Etwa neun von zehn Bahnkunden wünschen sich, dass die Anschlüsse im Bahnverkehr sicherer werden und entsprechend dem Fahrplan funktionieren. Die Anstrengungen der Bahn zur Pünktlichkeit haben demnach noch nicht die Intensität erreicht, dass sie von den Kunden auch als spürbare Verbesserung wahrgenommen werden. Verpasste Anschlüsse und Verspätungen gehören demnach auch heute noch zum alltäglichen Erfahrungsschatz der Bahnnutzer.

Der Rückzug der Bahn aus der Fläche wird an zweiter Stelle der Anforderungsliste als einer der großen Fehler der Bahnreform bemängelt Der Wandel in der Geschäftspolitik des Verkehrsunternehmens von einem Dienstleister für ein grundlegendes gesellschaftliches Aufgabenfeld hin zu einem gewinnorientierten Spezialbetrieb wird von der Mehrheit der Kunden nicht mitgetragen. Sie wünschen sich statt einem weiteren Abbau von Strecken und Bahnhöfen eine Umkehr dieser Entwicklung. Deutlich wird diese Absage an das derzeitige Bahnmanagement durch die Forderung nach Wiedereinführung der Inter-Regio-Züge. Sieben von zehn Bahnkunden wünschen sich eine Renaissance dieses erfolgreichen Transportmittels, das dem unnötigen Hickhack zwischen Politik und Bahnmanagement zum Opfer gefallen ist. Der Unmut der Bahnkunden über die seit Dezember 2003 plötzlich teurer gewordenen Inter-Regios, die von der Bahn einfach in Inter-City-Züge umbenannt wurden, spiegelt sich in dem Votum wieder.

Hoppe: "Mit diesem Kundenurteil wird die von der DB-AG vertretene Strategie vollständig abgelehnt. Für die Bahnreisenden stellt sich nicht die Frage, ob der Zug ihrer Wahl einem Aktionär Gewinne einfährt, sondern sie erwarten einfach eine günstige, sichere und komfortable Fahrt mit einem funktionierenden System. Die Abkehr von der in der Fläche operierenden Eisenbahn zu einem "Flugzeug auf Schienen" entfernt die Kundschaft von dem Transportanbieter."

Der Umweltverband fordert die DB-AG auf, sich ihrer Verantwortung für die Daseinsvorsorge in der Fläche wieder bewusst zu werden und ihre Strategien in diese Richtung zu orientieren. Gleichzeitig erwartet der Umweltverband eine Stärkung des umweltfreundlichsten Verkehrsmittels durch die Rahmensetzungen der Politik.

Die Hitliste der Forderungen an die Bahn im Detail:

Forderung

Forderung

Nennung

Nennung

Anschlusssicherung

Anschlusssicherung

87%

87%

Flächenbahn statt Stillegungsbahn

Flächenbahn statt Stillegungsbahn

83%

83%

Interregio wieder einführen

70% 70%

günstiger Tarif mit Anschlussnutzung des Nahverkehrs

70% 70%

Aktuelle, umfassende Information über Betriebsstörungen

70% 70%

einfaches, übersichtliches Preissystem

65% 65%

übertragbare Bahncard mit Geltung im Nahverkehr

61% 61%

gute Ausstattung mit Sitzplatz und Kofferablage für jeden

52% 52%

Fahrradmitnahme

52% 52%

persönlicher Service

43% 43%

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse