17. Januar 2003

Motorsegler-Entführung und Absturzdrohung vom 5.1.2003

 

Hessisches Ministerium für Umwelt,
Landwirtschaft und Forsten
Herrn Staatsminister Wilhelm Dietzel
Mainzer Str. 80
65189 Wiesbaden
per Fax

Offener Brief      7.1.2003

Motorsegler-Entführung und Absturzdrohung vom 5.1.2003
Fehlende Vorsorge vor Flugzeugabstürzen bei RWE-Atomkraftwerken Biblis A und B /
sofortige Stilllegung erforderlich, Überflugverbot überfällig
Warum bisher keine Veröffentlichung der Studie über die Folgen von Flugzeugabstürzen?

Sehr geehrter Herr Staatsminister Dietzel,

seit Jahren wird vom BBU und vom BUND die Stillegung des AKW Biblis wegen dessen massiver Sicherheitsprobleme und der fehlenden Zuverlässigkeit des Betreibers RWE gefordert. Den berechtigten Sicherheitsinteressen der Bevölkerung kann nur durch die Abschaltung des AKW Biblis entsprochen werden. Wenn Sie in dieser Frage auch eine andere Position vertreten, so fragen wir uns allerdings besorgt, warum Sie sich, spätestens nach dem 11. September 2001, noch nicht einmal für ein sofortiges Überflugverbot des AKW Biblis ausgesprochen haben.

Der Irrflug eines Motorseglers über Frankfurt am vergangenen Sonntag hat erneut gezeigt, dass ein Flugzeugabsturz oder ein gezielter Terrorakt mit einem Flugzeug durchaus nicht mehr nur dem sogenannten "Restrisiko", das die Bevölkerung zu tragen hat, zuzuordnen ist, sondern eine realistische Gefahr darstellt.

Wie Ihnen bekannt ist, ist das AKW Biblis A nur zu 3% , das AKW Biblis B nur zu 20% gegen den Absturz einer schnellfliegenden Phantom ausgelegt, gegen den Absturz eines großen Passagier-flugzeuges mit gefüllten Kerosintanks sind beide Atomkraftwerksblöcke überhaupt nicht ausgelegt.
Nach unserer Auffassung ist zur akuten Gefahrenabwehr zumindest ein sofortiges Überflugverbot für das AKW Biblis durchzusetzen. Darüber hinaus bitten wir um Veröffentlichung der Studie über Risiken und Folgen eines Flugzeugabsturzes (z.B. vollbeladenes Militärflugzeug bzw. ziviles Pas-sagierflugzeug mit mehr als 150 Tonnen Kerosin an Bord). BBU und BUND, aber sicher auch die Öffentlichkeit, sind sehr daran interessiert zu erfahren, welche Katastrophenschutz- bzw. Evakuie-rungspläne für den Falle eines Flugzeugabsturzes auf das AKW Biblis vorgesehen sind.

Mit großem Interesse erwarten wir Ihre schnelle Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
BBU & BUND Hessen

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse