16. November 2002

Seit 1999 beobachten Naturschützer, Förster und Jäger im Werra-Meißner-Kreis immer wieder den Luchs

"Pinselohr" streift durch hessische Wälder
Seit 1999 beobachten Naturschützer, Förster und Jäger imWerra-Meißner-Kreis immer wieder den Luchs

PRESSEMITTEILUNG: Frankfurt, den 16. November 2002

In den ausgedehnten Waldgebieten im Osten des Werra-Meißner-Kreises gelingen seit 1999 immer wieder Luchs-Feststellungen. Dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) liegen mehrere glaubwürdige Beobachtungen vor. "Wir wissen nicht, wo er hergekommen sein kann, und wir wissen nicht, ob die Ansiedlung von Dauer ist. Aber wir wissen, dass seit den letzten Jahren mindestens ein Luchs da ist", fasst Stefan Boschen, BUND-Mitglied und Förster im Streifgebiet der größten heimischen Katze, die Situation zusammen.

Ob die in Deutschland z. B. im Bayerischen Wald schon länger wieder heimische Großkatze mit den charakteristischen verlängerten Haarbüscheln auf den Ohren ("Pinselohr") sich im Werra-Meißner-Kreis vermehren und dauerhaft ansiedeln kann, ist noch sehr zweifelhaft. Aktuelle Lebensraumanalysen und Modellüberlegungen von Wildbiologen stufen den Werra-Meißner-Kreis aber in weiten Teilen als geeignet und vor allem als Korridor zwischen den möglichen Luchsvorkommen im Harz und im Thüringer Wald ein. Im Harz werden seit 1999 Luchse ausgewildert.

Entscheidend für die Eignung als Lebensraum ist die Größe der Wälder, denn jeder einzelne Luchs benötigt ein Jagdgebiet zwischen 75 km2 und 300 km2. Für eine lebensfähige Population gilt die Faustregel von 20 bis 50 Exemplaren in einem Raum von mindestens 2.000 km2. Diese Dimensionen werden im Werra-Meißner-Kreis auch in Verbindung mit angrenzenden Gebieten in Thüringen nicht erreicht.

Die nun seit mehreren Jahren gemachten Luchsfeststellungen im Werra-Meißner-Kreis sind deshalb ungewöhnlich und für den BUND Anlass, sich intensiver mit dem Luchs zu befassen. Hierzu soll vor allem die Kooperation mit denjenigen, die sich aus beruflichen Gründen oder aus Interesse viel im Wald aufhalten, gehören. Jäger, Förster und Waldarbeiter sollen über die wichtigsten Merkmale der Katze informiert werden, die für einen eindeutigen Nachweis notwendig sind. Wenn die Luchs-Meldungen nach einem einheitlichen Schema zentral gesammelt und ausgewertet werden, entsteht in einigen Jahren vielleicht ein genaueres Bild über das Auftreten des Luchses im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen.

Unwissenheit und Ängste führten im 18. und 19. Jahrhundert zur Ausrottung des Luchses in Deutschland. Wie sehr sich die Anschauungen und das Wissen verändert haben, zeigen die Reaktionen der bisherigen hessischen Luchs-Beobachter, bei denen sich ungläubiges Staunen und Begeisterung zusammenfindet. Begegnungen zwischen Luchs und Mensch treten auch in traditionellen Luchs-Gebieten eher selten auf, denn die Katze meidet den Menschen. Sie erbeutet im Wald Tiere von der Größe einer Maus bis zu Kälbern des Rothirsches. Wichtigstes Beutetier ist das häufige Rehwild, von dem bundesweit 3 Stück pro km2 geschossen werden. Hingegen benötigen die Luchse in den Alpen im Schweizer Jura nur knapp ein Reh je km2 als Beute. Futtermangel ist in deutschen Wäldern ganz sicher kein Problem für den Luchs.

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Thomas Norgall (Naturschutzreferent)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse