13. November 2002

Olympiabewerbung Frankfurt/Rhein - Main 2012

Olympiabewerbung Frankfurt/Rhein - Main 2012

BUND vermisst Garantien für Umweltziele
Umweltverband kann zum derzeitigen Planungsstand nur eine vorläufige Position beziehen

PRESSEMITTEILUNG: Heuchelheim, 13. November 2002

Der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) kann der Olympiabewerbung von Frankfurt derzeit nicht zustimmen. "Ohne Garantien zur vollständigen Umsetzung der allgemein formulierten Umweltziele der Bewerbung und insbesondere ohne beurteilungsfähige Informationen über konzeptionelle Detailfragen können wir die gewünschte abschließende Bewertung einfach nicht leisten", lautet das Fazit von Stephan Henrich, Landesvorstandssprecher des BUND Hessen.

Das Hessische Innenministerium hatte den BUND Hessen als einzigen Umweltverband im März des Jahres um eine Stellungnahme gebeten. Nach Auskunft des Innenministeriums soll die Zustimmung durch einen Umweltverband eine Bedingung seitens des Nationalen Olympischen Komitees für eine erfolgreiche Olympiabewerbung sein. Innerhalb des BUND Hessen hat darauf hin ein umfangreicher Prüf- und Abstimmungsprozess stattgefunden.

Im Ergebnis werden die teils ehrgeizigen Umwelt bezogenen Zielsetzungen der Olympiaplanung, insbesondere das regional verknüpfte Ausgleichskonzept, die Ausgestaltung des Olympischen Dorfes und die bisher vorgestellten Nachnutzungsplanungen, vom BUND Hessen begrüßt. Auch ist für den BUND Hessen das Bewerbungsmotto einer nachhaltigen Ausrichtung der Spiele geeignet, die mittlerweile verwässerte Nachhaltigkeitsdebatte an Hand konkreter Projektdiskussionen für Hessen zu beleben.

Allerdings musste der BUND Hessen gleichzeitig ein Missverhältnis zwischen diesen Aussagen und ihrer Gewichtung im Verhältnis zu anderen Kriterien feststellen. So fällt der Umweltaspekt als Kriterium für die Bewerberauswahl in seiner Bedeutung deutlich hinter das Kriterium "Fünf-Sterne-Hotel-Kapazitäten für Funktionäre" zurück. "So entsteht ein Glaubwürdigkeitsdefizit", kritisiert Stephan Henrich vom BUND Hessen.

Aufgrund schlechter Erfahrungen bei anderen Großprojekten im Rhein-Main-Gebiet, wie z.B. bei der ICE-Strecke nach Köln, hat der BUND Hessen Bedenken im Hinblick auf die Absicherung der vorgesehenen naturschutzrechtlichen Kompensationsmaßnahmen für die geplanten Eingriffe in Natur und Landschaft. "Der ICE fährt bereits, doch die Kompensation hängt mangels Flächenverfügbarkeit weit hinterher", erläutert Stephan Henrich die schlechten Erfahrungen.

Da im Rhein-Main-Gebiet in den nächsten Jahren noch zahlreiche andere Projekte verwirklicht werden sollen, hat der BUND Zweifel, dass die versprochene gute Kompensation für die von Olympia ausgehenden Naturschäden gelingen kann.

Für die konkreten Planungsverfahren fordert der BUND Hessen konzeptionelle Optimierungen, z.B. hinsichtlich - der Eingriffsminimierung bei der Sportstättenplanung, - der Abstimmung eines ökologischen Gesamtentwicklungskonzeptes Rhein-Main, das bereits bis 2012 zur wahrnehmbaren Aufwertung der Lebensumwelt führt sowie - der Erstellung eines tragfähigen Nachnutzungskonzeptes für den schwersten Eingriffsstandort Maintal (Ruder-Regattastrecke), das die Anforderungen des Naturschutzes und sonstiger Freiraumnutzungen integriert.

Stephan Henrich: "Von besonderer Bedeutung für unsere weitere Positionsfindung wird sein, ob durch die Olympiabewerbung von Frankfurt/Rhein-Main zusätzlicher Druck auf in der Region geplante, vom BUND Hessen aber abgelehnte, Großprojekte ausgeübt wird. Wir werten deshalb die Aussage der Olympiaplaner durchaus als positiv, dass der Frankfurter Flughafen auch ohne Ausbau olympiafähig ist. Bedauerlich ist für uns allerdings, dass es zu anderen Verkehrsprojekten im Rhein-Main-Gebiet wie z.B. zum A 66 - Riederwaldtunnel in Frankfurtbislang keine Positionierung der Olympia-Planer gibt."

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse