6. Dezember 2001

Das Arbeitsplatzargument ist weg

Frankfurter Flughafen
Das Arbeitsplatzargument ist weg

BUND fordert eine politische Neubewertung des Flughafenausbaus

PRESSEMITTEILUNG: Frankfurt, 06. Dezember 2001

Die Arbeitsplatzprognose für den Frankfurter Flughafen wurde von Fraport im Rahmen des Raumordnungsverfahrens um 80 % drastisch nach unten korrigiert. Während es nach der sog. Mediation hieß, dass der Ausbau die Entscheidung über bis zu 250.000 Arbeitsplätzen beträfe, spricht Fraport heute nur noch 43.000 Arbeitsplätzen. Fraport selbst verzeichnete bereits in der Boomphase von 1999 bis 2000 einen Arbeitsplatzrückgang. Auch ohne Ausbau soll es allein auf dem Flughafen einen Jobzuwachs von ca. 14.000 Arbeitsplätzen bis 2015 geben. Angesichts der aktualisierten Zahlen und der völlig veränderten Rahmenbedingungen der Luftfahrt ab diesem Herbst fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Neubewertung der Ausbaupläne. „Die Bevölkerung hat ein Anrecht auf den Mut zur politischen Kurskorrektur“, meint BUNDvorstandssprecher Walter Raiss.

Nach dem Fraport-Gutachten zur Einkommens- und Beschäftigungsentwicklung hängen im Fall des Ausbaus bundesweit im Jahr 2015 ca. 220.000 und im Fall des Nichtausbaus über 175.000 Arbeitsplätze vom Flughafen ab. Der Prognoseunterschied beträgt nicht mehr 250.000, sondern nun nur noch exakt 43.406 Jobs. Fraport selbst ist auch keine Jobmaschine mehr: Von 1999 auf 2000 wurde bei steigenden Flugbewegungen und Passagierzahlen der Personalbestand sogar um 130 Mitarbeiter verkleinert. Der Trend soll sich laut Gutachten fortsetzen.
Eine vollständige Betrachtung der Arbeitsplatzprognose muss außerdem die Verdrängungseffekte durch den Ausbau berücksichtigen. Prominentestes Beispiel ist das Caltex – Gelände, wo die favorisierte Nordwestbahn die Entstehung von über 10.000 Arbeitsplätze verhindern wird. Allein durch das Caltex - Problem würde ein Viertel des behaupteten Stellenzuwachses wieder aufgezehrt.
Mindestens so wichtig wie die Prognose der absoluten Zahlen ist für den BUND die Aussage über die schnell sinkenden Multiplikatoreneffekte. Hieß es zu Beginn der Ausbaudebatte noch, dass jeder Arbeitsplatz am Flughafen zwei weitere auslöse, so wurde die Annahme schon in der sog. Mediation auf 1,77 nach unten korrigiert. Ein Jahr später reduzieren die Gutachter nun erneut und nennen einen Faktor von 1,67. Dieser wird im Ausbau- und im Nichtausbaufall weiter sinken und 2015 bundesweit noch 1,31 betragen. In Hessen sinkt der Multiplikator sogar unter 1,0 auf 0,77 ab. „Während die Belastung durch den Flughafen steigt, sinkt seine Bedeutung des Flughafens für die Wirtschaft“, fasst BUNDsprecher Walter Raiss die Entwicklung zusammen.
Seit die Lufthansa in diesem Herbst reihenweise Flüge gestrichen hat und nun sogar über Stellenstreichungen und Kurzarbeit verhandelt, kann man die plötzlichen, aber umso dramatischeren Veränderungen der Luftfahrt auch aus der Ausbaudiskussion in Frankfurt nicht mehr verdrängen. Prognosen zum Luftverkehr, die vor diesem Herbst erstellt wurden, müssen korrigiert werden. Denn eins ist für den BUND nach diesem Herbst klar „Fliegen wird teurer“. Schon jetzt ist in der Verkehrsprognose von Fraport nachzulesen, dass die Flughäfen Berlin und München die Nachfrage befriedigen könnten. Ob die Nachfrage tatsächlich steigen wird, ist angesichts des wachsenden Kostendrucks bei den Fluggesellschaften und abnehmenden volkswirtschaftlichen Wachstumsraten aber mehr als fraglich. Denn noch eines zeigt dieser Herbst: Die Entwicklung der Luftfahrt folgt der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und kann diese eben nicht antreiben.

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Thomas Norgall (Naturschutzreferent)
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