22. Dezember 2001

BUND und BBU kritisieren Bundesamt für Strahlenschutz für strahlendes Weihnachtsgeschenk

BUND und BBU kritisieren Bundesamt für Strahlenschutz für „strahlendes Weihnachtsgeschenk“ an die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet

Genehmigung eines Brennelemente-Zwischenlagers am AKW Biblis erhöht atomares Risiko am Standort auf das dreifache und ist unverantwortbar!
Bundesumweltminister Trittin soll Genehmigungsverfahren überprüfen

PRESSEMITTEILUNG: 22. Dezember 2001

Nach Presseberichten hat das Bundesamt für Strahlenschutz am 21.12.2001 die Genehmigung für ein Brennelemente-Zwischenlager am Standort Biblis erteilt. BBU und BUND kritisieren, dass nicht ersichtlich ist, ob und in welcher Weise die Bedenken der Einwender in die Entscheidung überhaupt eingeflossen sind. Ebenso bleibt offen, wie die Ereignisse vom 11. September hinsichtlich der Gefährdung des Zwischen-lagers durch Flugzeugabstürze (gezielt oder ungezielt) berücksichtigt wurden. BBU und BUND fordern Umweltminister Trittin auf, das BfS -Genehmigungsverfahren einer Überprüfung durch das Umweltministerium zu unterziehen. BBU und BUND verweisen darauf, dass neben den Gefahren durch den Betrieb der beiden sicherheitstechnisch kritischen Atomreaktoren Biblis A und B durch ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente ein drittes atomares Gefahrenpotential am Standort entsteht.

Bei dem atomrechtlichen Erörterungstermin im Mai dieses Jahres in Biblis haben der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, der BUND Landesverband Hessen, örtliche Bürgerinitiativen, Vertreter von Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger die Planung eines Brennelemente-Zwischenlagers am AKW Biblis wegen gravierender Sicherheitsmängel abgelehnt. Nach Ansicht von BBU und BUND ist das Zwischenlager nicht ausreichend gegen Erdbeben, Flugzeugabstürze und Hochwasser gesichert. Der Schutz vor "Einwirkungen Dritter" auf die Castorbehälter ist angesichts von möglichen Sabotageakten nicht zu gewährleisten. Insbesondere wurde auch kritisiert, dass nicht sichergestellt sei, dass die Behälter über den gesamten Lagerzeitraum dicht bleiben. Deshalb wurde unter anderem gefordert, die Behälter in umfangreichen Tests bei Bränden mit hohen Temperaturen und durch Beschuss auch mit schweren Waffen zu überprüfen. Ein jederzeit möglicher GAU oder Super-GAU in den Atomkraftwerksblöcken A und B wird schwerwiegende Auswirkungen auf das Zwischenlager haben. Auch verfügt nach Meinung des BBU und des BUND der Antragsteller RWE nicht über die nach §7 Atomgesetz notwendige Fachkunde und Zuverlässigkeit, wie die zahlreichen Störfälle und Vorkommnisse im AKW Biblis beweisen.

Für BBU und BUND ist die Genehmigung für ein Zwischenlager am AKW Biblis Teil eines gescheiterten Entsorgungskonzepts. Ein Zwischenlager gaukelt einen sicheren Umgang mit Atommüll bis zur Endlage-rung vor, den es angesichts der unbeherrschbaren Risiken nicht geben kann. Jederzeit kann in einem Atomkraftwerk und Atommülllager - auch in Biblis – eine Atomkatastrophe eintreten. Sie würde bundesweit zu Verseuchungen führen, die die Zerstörung des Lebens, der Gesundheit und des Lebensumfeldes von Millionen Menschen zur Folge hätten.

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse