17. August 2001

Anhörung Brennelementabsturz / Ungeklärte Fragen zur Ursache des Brennelement-Absturzes

Ungeklärte Fragen zur Ursache des Brennelement-Absturzes

Absturz eines atomaren Brennelementes im RWE-Atomkraftwerk Biblis B
Gestrige Sondersitzung des Umweltausschusses

Pressemitteilung: 17. 08. 2001

 

Im Vorfeld der gestrigen Sondersitzung des Umweltausschusses des HessischenLandtages hatten der hessische Landesverband des BUND und der BBU vom AusschussvorsitzendenHeinrich Heidel die Zulassung der Öffentlichkeit und ein Vortrags-und Fragerecht gefordert. Zwar wurde mit Unterstützung der AbgeordnetenUrsula Hammann (Bündnis 90 / Die Grünen) erreicht, dass der Ausschussöffentlich tagte, so dass neben einigen Medienvertretern auch EduardBernhard, Vorstandsmitglied und energiepolitischer Sprecher des BBU, für den BBU und den BUND Hessen an der Ausschusssitzung teilnehmenkonnte.
Ein Vortrags- und Fragerecht wurde den Umweltverbänden trotz Fürsprachevon Frau Hammann jedoch nicht gewährt. Nach Ansicht der Umweltverbändelässt dies den Schluss zu, dass man den Sachverstand der Verbandsvertreterfürchtete und die Verantwortlichen für das Debakel, RWE und SIEMENS,schützen wollte.

Auf folgende Fragen und Überlegungen hätten BUND und BBU gernin der Ausschusssitzung Antworten erhalten:

  1. Gibt/gab es ein Störfall-/Vorbeuge-Konzept für den Absturzeines Brennelementes incl. Abkneifen/Abreißen des Brennelementkopfesbeim Herausheben aus dem Abklingbecken und Verladen in einen BE-Lager-oder -Transport-Behälter? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, warum erfolgteMissachtung?
  2. Gibt es für den BE-Verladekran eine technische Sperr-Einrichtung,die nur einen bestimmten Hebe/Greifer-Druck zulässt, damit nicht durcheine vom Kranfahrer verursachte Überschreitung eines Sicherheitsgrenzwertesdas Brennelement beim Herausheben/Transport beschädigt bzw. der BE-Kopfabgerissen wird? Wenn ja, warum versagte diese technische Sperreinrichtung?Wenn nein, warum fehlt eine solche Sicherheits-Vorsorge-Einrichtung undwird diese zur Vermeidung derartiger zukünftiger Störfallrisikenim AKW Biblis B schnellstens eingebaut?
    Dies fordern BBU und BUND LV Hessen nicht nur für Biblis B, sondern unddiese Forderung geht an den Bundesumweltminister J. Trittin sondern auchfür alle anderen 18 deutschen AKW.
  3. Welche Prüfzeugnisse liegen für das abgestürzte Brennelementseitens des Herstellers Siemens, Lingen für Produktion und Abtransportvor und gibt es Eingangsprüfungen bei Eingang im RWE-AKW Biblis B,auf  technisch  einwandfreie Beschaffenheit (kein Verdacht aufTransportschäden etc.)?
  4. Wurde der Kranbediener voll geschult, d.h. z.B. auch auf Störfall-Risikenhingewiesen und fanden/finden Wiederholungsschulungen für einwandfreiesKranfahren statt?
  5. Wieso musste von Siemens, Erlangen, extra ein Fang-Käfigfür das abgestürzte Brennelement konstruiert/gebaut werden?Bedeutet dieser Vorfall, dass sich weder das HMU, RWE, SIEMENS noch TÜVund sonstige Experten einen BE-Absturz mit BE-Kopf-Abriß vorstellenkonnten?

Wie während der Sitzung des Umweltausschusses verlautbarte istgeplant, dass RWE das beschädigte Brennelement und den Brennelementkopfim AKW Biblis selbst repariert. Dagegen protestieren BBU und BUND.
Eduard Bernhard, energiepolitischer Sprecher des BBU:  Hier wirdder Bock zum Gärtner gemacht. Wir fordern, dass für eine sachgemäßeUntersuchung von Brennelement und Brennelementkopf die Bundesanstalt fürMaterialforschung in Berlin eingesetzt wird.

Der vorliegende AKW-Störfall gibt aus Sicht der deutschen Umweltschutz-und Anti-Atombewegung einen erneuten Beweis, dass es auch in deutschenAtomkraftwerken gegen menschliches und technisches Versagen keine absoluteSicherheit gibt und deshalb die Beibehaltung der Atomenergie wegen ihrerunabsehbaren Risiken und der ungelösten Atommüll-Endlager-Situationunverantwortbar bleibt.

BBU und BUND LV Hessen fordern deshalb erneut die sofortige Stillegungvon Biblis A und B und aller anderen deutschen Atomkraftwerke.

Ansprechpartner des BUND Hessen:
Michael Rothkegel (Geschäftsführer)
Weitere Kontaktinformationen finden Sie unter Presse