14. Juni 2011

„Ausbau der Windenergie kann in Hessen Milliarden Euro im ländlichen Raum mobilisieren“ / BUND und Landesarbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien verweisen auf die ökonomischen und ökologischen Potenziale der Windkraftnutzung in Hessen

Windrad (Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de)

Der hessische Landesverband des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und die Landesarbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien Hessen LEEH) kritisieren, dass Offshore-Windstrom zukünftig nach dem EEG mit bis zu 19 Ct/kWh mehr als doppelt so hoch vergütet werden soll wie Windstrom an Land (weniger als 9 Ct/kWh), dessen Vergütung sogar um bis zu 10 % gekürzt werden soll.

Martin Krauß, energiepolitischer Sprecher des BUND Hessen: „Die verstärkte Förderung des Offshore-Windstroms dient den vier marktbeherrschenden Stromkonzernen, damit diese überhaupt in Offshore investieren. Sie dient aber weder dem Wettbewerb noch den kommunalen, mittelständischen und bürgergesellschaftlichen Interessen noch der regionalen Wertschöpfung im ländlichen Raum.“

Nach dem Ziel der hessischen Landesregierung im Eckpunkte-Papier von 2010 sollen bis zum Jahr 2020 sieben Terawattstunden (TWh) Windkraft überwiegend aus Offshore-Anlagen in Hessen genutzt werden. Die dafür notwendigen Investitionen in Offshore-Anlagen sollen mit hessischen Landesbürgschaften gefördert werden.

Joachim Wierlemann, Sprecher der LEEH: „Wenn 7 TWh Windstrom von Offshore-Windparks weit vor der Küste im Meer bezogen werden, dann werden etwa 1,33 Mrd. € pro Jahr an Wertschöpfung aus Hessen abfließen. Wenn dieselbe Menge Windstrom in Hessen erzeugt wird, dann ergibt sich wegen der geringeren Vergutüng, bzw. geringerer Kosten von onshore-Windstrom ein Betrag in Höhe ca. 630 Mio. € an regionaler Wertschöpfung, die je nach Investor in Hessen verbleibt. Das heißt, diese 630 Mio. € können kommunale, private und bürgergesellschaftliche Investoren in Hessen jährlich an Brutto-Einnahmen erzielen. Eine Regionalförderung, insbesondere für den ländlichen Raum in unvergleichbarer Größenordnung, die vor dem Hintergrund der kommunalen Finanzknappheit an Bedeutung gewinnt.“

Nach Berechnungen des LEEH entstünden schon zu Beginn des Ausbaues zusätzliche Steuereinnahmen für Land und Kommunen aus der Umsatzsteuer.  Bei 7 TWh in Hessen erzeugtem Windstrom, wie es das Eckpunktepapier als Ziel vorgibt, wären das rund 1 Mrd. €. Dazu kämen weitere Einnahmen aus Pacht, Gewerbe-, Gewinn- und Lohnsteuern.

Würde der Ausbau der Windenergieerzeugung in Hessen forciert, laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts IWES in Kassel können auf nur 2% der Fläche in Hessen 28 TWh Windstrom erzeugt werden (ca: 65 % des Stromverbrauchs), könnten rund 4 Mrd. € an Umsatzsteuer erzielt werden

Martin Krauß: „Im Hinblick auf die Energiewende fordern wir von der Landesregierung entsprechendes Handeln. Nicht Bürgschaften für teuren offshore-Windstrom, der zudem noch den Bedarf an Höchstspannungsleitungen erhöht, bringen die Energiewende in Hessen voran, sondern der forcierte Ausbau der Windenergienutzung in Hessen selbst. Wir fordern von den Politikern die verpflichtende Vorgabe des Landesentwicklungsplans zur Ausweisung von 2 % der Fläche in den Regionalplänen für die Windkraftnutzung, eine Akzeptanzkampagne für die Windenergienutzung und die Wiedereinführung der rechtlichen Möglichkeit für eine energiewirtschaftliche Betätigung der Kommunen.“

Des weiteren fordern BUND und LEEH von der Landesregierung, dass sie sich bei der Novellierung des EEG auf Bundesebene dafür einsetzt, die Vergütung von Windstrom an Land nicht zu kürzen, weil dadurch der Ausbau der Windstromnutzung an Land gestoppt werden könnte.  

Jochim Wierlemann: „Windstrom, bislang fast ausschließlich an Land erzeugt, hat bis jetzt den allergrößten Anteil an den 17 % erneuerbaren Stroms bundesweit erbracht. Das wurde ohne und auch gegen die Strommonopolisten erreicht.
Wenn der Strom möglichst nicht teurer werden soll, muss vorrangig auf den fast schon wettbewerbsfähigen Windstrom an Land gesetzt werden.“

Martin Krauß, BUND, energiepolitischer Sprecher, Tel.: 0641 4 11 55
Joachim Wierlemann, LEEH, Landessprecher, Tel.: 06446 - 92 19 34, Mobil: 0170 - 21 32 797