Als Brutplatz wählt sich die Schleiereule am liebsten Dachstühle von Kirchen oder Scheunen. Sie lebt also mitten unter uns, ist aber ausgesprochen nachtaktiv und kann deshalb nur von aufmerksamen Beobachtern wahrgenommen werden. Ende März lässt sie meist beim Umfliegen ihrer Brutstätte ihren heiseren Balzruf erklingen. Die Brut beginnt im April, doch ist sowohl der Brutbeginn wie auch die Zahl der gelegten Eier wie bei keiner anderen Eule abhängig vom Nahrungsangebot. So kommt es vor, dass Schleiereulen auch einmal mitten im Winter Junge haben und das Gelege, das normalerweise zwischen vier und sieben Eier aufweist, kann auch auf drei Eier reduziert oder über zehn vergrößert werden. Da das Weibchen vom ersten Ei an brütet und der Legeabstand zwei bis drei Tage beträgt, liegt oft ein beträchtlicher Alters- und damit Größenunterschied zwischen dem ältesten und jüngsten Nestling. Bei Nahrungsmangel bleiben dann die Nesthäkchen als erste auf der Strecke. Wenn die Jungen um Futter betteln, lassen sie Schnarchlaute hören, die dem menschlichen Schnarchen zum Verwechseln ähnlich klingen. Schon manches Mal mag der Küster oder Pfarrer von nächtlichen Spaziergängern darauf aufmerksam gemacht worden sein, dass da wohl einer oder gar mehrere in seiner Kirche eingeschlafen seien.
Als unmittelbarer Nachbar der Menschen und dennoch weitgehend im Verborgenen lebend bietet die Schleiereule natürlich auch den idealen Nährboden für Aberglauben aller Art. An die Tore von Scheunen genagelt soll sie Unheil abwenden, insbesondere vor Blitzeinschlag und Feuer schützen. Ihr Ruf gilt mancherorts als Todesankündigung, in anderen Regionen wiederum als Signal für eine unmittelbar bevorstehende Geburt.
Die Bestände der Schleiereule unterliegen starken Schwankungen. Insbesondere bei strengen und lang andauernden Frostperioden brechen die Populationen manchmal flächendeckend zusammen, erholen sich aber in guten Mäusejahren rasch wieder dank der dann reichhaltigen Nachkommenzahl. Ein Problem stellt häufig der Nistplatzmangel dar, nachdem man vielerorts Einfluglöcher in die Dachstühle gegen Tauben vergittert hat. Doch die strengen Schutzmaßnahmen verbunden mit geeigneten Nisthilfen haben in Deutschland dazu beigetragen, den Schleiereulenbestand in den letzten Jahrzehnten zu stabilisieren.