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Themen der HESSENseiten im BUNDmagazin Heft 4 / 2007

  • Editorial / Blick zurück im Zorn
  • Hessenwahl
    • Wählen gehen für Umweltund Zukunft!
      Bei der Landtagswahl 2008 in Hessen gehtes um wichtige Weichenstellungen für den Umweltschutz,Klimaschutz, Verbraucherschutz und Naturschutz
    • Landtagswahl in Hessen 2008
      Positionen des BUND Hessen für einen wirksamen Umwelt- und Naturschutz
    • Wie die Tankstellen-Connection die Politik in Hessen in den letzten Jahren bestimmt hat
      oder die Bekämpfung des Umweltschutzes mit allen Mitteln
  • Flughafenausbau
    • Flughafen Kassel-Calden: BUND klagt gegen Planfeststellungsbeschluss
    • Flughafen Frankfurt: CCT-Klageverfahren erfolgreich abgeschlossen
      BUND Hessen gründet Naturschutzstiftung
  • Luftqualität / Feinstaub: Kasseler Becken weiter unter Dunstglocke
  • Interview / Die Neue im Team
    Sonja Gärtner verstärkt die BUND-Arbeit im Netzwerk Naturschutz
  • Magazin
    • Hirschkäfer-BeobachterInnen gesucht
    • AK Wasser: AK Wasser Werra-Exkursion der Landesverbände Hessen und Thüringen
    • Mitmachen! Kreativ-Wettbewerb: „Luftverkehrsanzeigen verfremden“
    • Buchempfehlung: Artenschutz in Unterrichtsbeispielen
  • BUNDjugend Hessen
    • Naturschutz pur beim Bergwaldprojekt in der Rhön
    • Herbst-Interaktiv-Treffen: Aktion und Planung für 2008
    • Aktionstipp für Jugendgruppen: Müllarmes, faires Bio-Frühstück in Frankfurt
    • Ausblick  2008

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Editorial / Blick zurück im Zorn

Fünf lange Jahre CDU-Alleinregierung unter Ministerpräsident Koch neigen sich dem Ende zu, Zeit Bilanz zu ziehen aus Sicht eines engagierten Natur- und Umweltschützers, Zeitpunkt aber auch nach vorne zu schauen, Wünsche und Visionen zu entwickeln und Forderungen zu formulieren, die an alle Parteien gerichtet sind, die zur Landtagswahl im Januar 2008 antreten.

Klimaschutz steht bei allen Parteien ganz oben auf der Liste der Umweltthemen. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind dabei oft gegensätzlich trotz ähnlicher Ziele. Die Gewichtung gegenüber anderen, konkurrierenden Zielen ist in den Parteiprogrammen durchaus sehr verschieden. Konkrete Maßnahmen für eine wirkungsvolle Klimaschutzpolitik lassen bislang auf sich warten, klare Programme verbunden mit verbindlichen Finanzierungen und zielgerichteten Hilfestellungen fehlen meist. Die möglichen Alternativen insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien werden im politischen Raum zum ideologischen Schaulauf missbraucht und in der Öffentlichkeit zum Teil diskreditiert. Erforderlich sind abgestimmte, gesellschaftlich tragfähige und auch auf ihre ökologischen Auswirkungen hin abgeklopfte Zielsetzungen für Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und regenerative Energien. Dies kann nur unter Beteiligung aller Betroffenen gelingen und darf nicht aufgrund politischer Duftmarken zum parteipolitischen Gezänk degradiert werden, das der Sache nicht nützt und die Inhalte nicht voran bringt.

Biomasse gegen landwirtschaftliche Vielfalt und Ökologie im Wald,Windkraft gegen Aspekte des Landschaftsbildes, Wasserkraft gegen Gewässerökologie und Atomkraft gegen die notwendige Sicherheit der Menschen sind keine geeigneten Gegensätze im öffentlichen Diskurs zur Machbarkeit einer alternativen Energieversorgung. Auch regenerative Energien müssen sich an Kriterien des Naturschutzes, des Ressourcenschutzes und der landschaftlichen Anpassung messen lassen. Aber:Wer Windräder pauschal verdammt, zu landschaftsprägenden Hochspannungsleitungen dagegen ein unverkrampftes Verhältnis hat, bleibt unglaubhaft. Und:Wer die erkannte Klimaproblematik benutzt,um Ängste zu schüren um die Atomkraft wieder hoffähig zu machen, belegt damit nicht seine Glaubwürdigkeit sondern letztlich nur ein politisch motiviertes, kurzfristig angelegtes Vasallentum zu einer Energieform, die zu gefährlich und bereits heute bar jeder Zukunftsfähigkeit ist – hier bei uns und erst recht im Weltmaßstab.

Gleiches gilt im Bereich der Landwirtschaft. Die Diskussion zur Neuorientierung der europäischen Landwirtschaftspolitik ist in vollem Gange, aber die hessische Landesregierung zögert und verliert Zeit zur Umsteuerung der Subventionszahlungen weg von einer intensiven Bewirtschaftung hin zu einer landschaftsangepassten, biologischen Landwirtschaft, die noch dazu die Verbraucher auf ihrer Seite hat. Bio-Lebensmittel kommen zu einem immer größeren Anteil von außerhalb Hessens, ja außerhalb Deutschlands – ein Armutszeugnis der aktuellen Landwirtschaftspolitik, die umgehend in neue, zukunftsfähige Bahnen gelenkt werden muss.

Auch im Naturschutz, dem Kernbereich des Schutzes von Tieren und Pflanzen, von Biotopen, Lebensräumen und Landschaften wurden in den letzten Jahren die Räder weit zurückgedreht. Rechtliche Grundlagen zum Schutz von Natur und Landschaft wurden zurückgenommen, die Nachhaltigkeit bei der Nutzung von Naturressourcen, insbesondere dem Flächenverbrauch, wurde zugunsten von Eingriffen verschlechtert und auch die Möglichkeiten der Mitwirkung von engagierten Naturschützern in Genehmigungsverfahren und bei der Zuarbeit in Naturschutzbeiräten wurden massiv eingeschränkt. Eine offene und aktive Bürgergesellschaft sieht anders aus.

All dies zeigt auf, dass sich Natur- und Umweltschutz in den letzten Jahren in Hessen auf einem politisch verordneten Rückzug befand und von der Regierungspartei nur noch als Hindernis und Bremser angesehen wurde. Und da wundert es nicht, dass Hessen sich ganz vorne in der Reihe derjenigen eingeordnet hat, die die endlich greifenden europarechtlichen Regelungen zum Erhalt von Habitaten,Tieren und Pflanzen und der Rückgewinnung von Lebendigkeit in unseren Gewässern zurückdrängen wollen.

Dies zu verhindern muss Zielsetzung für die nächsten Jahre sein !

Auch im Kleinen müssen Möglichkeiten wieder eröffnet werden über ehrenamtliches Engagement etwas für Natur und Umwelt zu tun und letztendlich der Nachhaltigkeit in all unserem Tun zum Durchbruch zu verhelfen. Dies zu erreichen muss Richtschnur für alle an unserer Umwelt Interessierten sein.

Jörg Nitsch
für den Landesvorstand des BUND Hessen