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Themen der HESSENseiten im BUNDmagazin Heft 1 / 2007

  • Editorial / Bildung für nachhaltige Entwicklung oder schwarze Zukunft?
  • Energie / Klimaschutz statt neue Kohlekraftwerke
    BUND-Alternativkraftwerk vorgestellt
  • Verkehr / Ausbau der „Taunusautobahn“ B8-West
    Anwohner kämpfen gemeinsam mit dem BUND für Erhalt des Naherholungsgebiets
    Erörterungstermin zum Raumordnungsverfahren im Frühling 2007
  • Magazin
    • Ein Angebot des Eco-Club
    • Einladung zur Landesdelegiertenversammlung des BUND Hessen
    • KV Kassel: Umwelthaus mit dem BUND eröffnet
    • KV Limburg-Weilburg: BUND Umweltpreis 2006 für das Bistum Limburg
    • Buchbesprechung: Baumriesen und Adlerfarn – Der „Urwald Sababurg“ im Reinhardswald
    • KV Frankfurt Kreisgeschäftsstelle
    • Praxisworkshop Energieeffizientes Wohnen, Bauen, Modernisieren
    • Flughafenausbau Frankfurt: Erneute Auslegung der Unterlagen
    • KV Frankfurt: Klima sucht Schutz! Wer macht mit?
  • BUNDjugend Hessen
    • „Heißer Herbst“
    • Mach mit beim Wettbewerb „NaturTageBuch“
    • Frühlings-Interaktiv-Tage der BUNDjugend Hessen mitJugendvollversammlung
    • FÖJ-Börse
    • Praktikum: Eine-Erde-Camp
    • Fortbildungsangebote für Jugendliche
    • Freizeiten-Angebot 2007

online anschauen – HESSENseiten im BUNDmagazin Heft 1 / 2007

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Editorial / Bildung für nachhaltige Entwicklung oder schwarze Zukunft?

Am 9. Oktober hat die Menschheit ihr ökologisches Konto für das Jahr 2006 überzogen. Nach Angaben einer kalifornischen Wissenschaftlergruppe war an diesem „World Overshoot Day“ alles aufgebraucht, was der Globus an Ressourcen erst innerhalb eines ganzen Jahres nachbildet. Und das, obwohl bereits vor 15 Jahren der Umweltgipfel in Rio de Janeiro das Prinzip der Nachhaltigkeit proklamierte. Nachhaltigkeit ist ein sperriger Begriff, aber es bedeutet schlicht und einfach, dass kein Lebewesen auf unserem begrenzten Planeten auf Dauer überleben kann, wenn es die lebensnotwendigen Ressourcen schneller aufbraucht als sie sich nachbilden. Das ist nicht nur logisch, sondern auch simpel. Wieso ist es dann so schwer, danach zu handeln? Derzeit folgt nahezu alles menschliche Streben einer Kurve des Verderbens, mathematisch ausgedrückt einer Exponentialfunktion.

Kurve des Verderbens und Kurve der Nachhaltigkeit

Dieser Graph bildet auf der waagrechten Achse die Zeit, auf der senkrechten den Zuwachs ab. Beispielsweise den Zuwachs der Weltbevölkerung, der Zahl der Pkws, des Verbrauchs fossiler Brennstoffe, der Flächenversiegelung, Waldabholzung, Wüstenbildung und nicht zuletzt der CO2-Freisetzung in die Atmosphäre.

Wo wir uns auf der Kurve derzeit befinden lässt sich u.a. daran abschätzen, dass es erstmals 1987 zum „Overshoot“ kam, damals allerdings erst am 19. Dezember. Wie solche Kurven weiterlaufen, ist wissenschaftlich hinlänglich untersucht: Wenn sich die jeweilige Ressource dem Ende zuneigt, erfolgt Stagnation auf hohem Niveau, danach der Absturz der Population der Ressourcennutzer auf nahe Null.

Die Kurve der Nachhaltigkeit sieht anders aus: Durch intelligentes Vorgehen, wozu wir Menschen eigens von der Natur befähigt wurden, sollte es uns möglich sein, den Ressourcenverbrauch nachhaltig zu gestalten. Alle derzeit stattfindenden Prozesse auf der Basis der Verbrennung fossiler Energieträger müssen drastisch zurückgefahren werden. Wir brauchen nicht mehr, sondern deutlich weniger Flugverkehr, Autobahnen, Kohlekraftwerke. Und die Flächenversiegelung muss gestoppt werden, denn auf Beton und Asphalt wachsen keine Pflanzen, die CO2 aus der Luft aufnehmen.

Die hessische Landesregierung jedoch kommt zu einem gänzlich anderen Schluss: Wir brauchen weniger Windkraft, aber dringend mehr Flugverkehr, mehr Autobahnen und nur deshalb keine Kohlekraft, weil wir ja unser bewährtes, CO2-freies AKW in Biblis haben. Dabei wird eben mal darüber hinweggesehen, dass Atommüll an Stelle von CO2 zu produzieren ebenso wenig nachhaltig ist wie der Verbrauch der endlichen Ressource Uran.

Die hessische Landesregierung hat also nichts nötiger als Bildung. Da sie nicht die einzige mit Nachholbedarf auf diesem Gebiet ist, hat die UNESCO die Zeit von 2005 bis 2014 zur Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ erklärt. Wie dringend notwendig das ist, zeigt eine stichpunktartige Umfrage ohne Anspruch, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf Repräsentativität an einem hessischen Gymnasium. Von rund 60 Lehrer( inne)n hatten mehr als zwei Drittel von der UNESCODekade noch nichts gehört, aber fast alle Befragten äußerten sich zustimmend zu der Forderung, dahingehend Fortbildung zu betreiben und Lernziele zu formulieren. Wie dringlich das wiederum ist, stellten die Lehrer( innen) gleich selbst unter Beweis, als sie sich anhand von Beispielfragen zum Begriff der Nachhaltigkeit äußern sollten. Die (alleinige) Schaffung langfristiger Arbeitsplätze ist für mehr als drei Viertel der Befragten ein Kriterium. Danach läge die hessische Landesregierung voll im Nachhaltigkeitstrend mit dem Ausbau des Frankfurter Flughafens, dem Bau neuer Asphaltpisten und der Ausweisung neuer Gewerbeflächen. Doch es geht darum, wenn schon neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, die Tätigkeiten am Prinzip der Nachhaltigkeit zu orientieren. Arbeitsplätze im Bereich der regenerativen Energieanlagentechnik sind nachhaltig, solche in der Atom- oder Kohletechnik sind es nicht, ebenso wenig wie die in der heutigen Automobilbranche oder die im Flugverkehr mit ihrer fossilen Sprit fressenden Antriebstechnik.

Nachhaltigkeit wird sich durchsetzen, so oder so, aber besser für künftige Generationen wäre es,wir bekämen noch rechtzeitig die Kurve – die Kurve der Nachhaltigkeit, versteht sich. Globale Bildung für nachhaltige Entwicklung, um Nachhaltigkeit zu erreichen oder schwarze Zukunft, dazwischen gibt es nichts. Deshalb kämpfen wir im BUND Hessen weiterhin für Nachhaltigkeit und gegen eine schwarze Zukunft.

Herwig Winter,
Vorstandssprecher des BUND Hessen