Hier finden Sie folgende Artikel aus den HESSENseiten im BUNDmagazin

Banner HESSENseiten im BUNDmagazin

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Naturschutzpolitik der CDU/FDP-Landesregierung ist vom BUND (zu Recht!) immer wieder kritisiert worden. Es gibt keinen Nationalpark Kellerwald, die fachgerechte Meldung von sogenannten FFH-Gebieten für das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 erfolgte nur sehr zögerlich, Mittel für den Artenschutz wurden drastisch gekürzt und die Biotopkartierung nur sehr zögerlich fortgeführt. und nur unter Androhung von Zwangsgeldern seitens der EU, Anfang September im letzten Jahr hat das Kabinett um Ministerpräsident Koch den von Umweltminister Dietzel vorgelegten Entwurf zur Novellierung des Hessischen Naturschutzgesetzes (HENatG) gebilligt.
Nach der Lektüre hat sich mir stark der Eindruck aufgedrängt, als ob der größte Feind der Landesregierung der Naturschutz sei. Eine andere Erklärung für den regelrechten Kahlschlag des Naturschutzes auf allen Ebenen und in fast allen Instrumenten durch die vorgelegte Novellierung fällt zumindest schwer.

Auf dem Gebiet der Naturschutzpolitik sieht die Bilanz der Landesregierung düster aus. Beispielhaft verweisen BUND und NABU auf die aktuellen Vorgänge um den Kellerwald. Dort wurden entgegen der öffentlichen Zusagen des Ministerpräsidenten und seines Umweltministers alte Buchen eingeschlagen. Eine Aktion, die nach Ansicht der Verbände nicht nur immensen ökologischen Schaden angerichtet, sondern bei der die Landesregierung auch ihre naturschutzpolitische Glaubwürdigkeit verloren hat.
Als weiteres Soll in der Bilanz führen BUND und NABU die Meldung von FFH-Gebieten für das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 an. Hier bleibt Hessen weit hinter den fachlichen Anforderungen zurück und setze sich der Gefahr aus, zu Bußgeldern verurteilt zu werden sowie bei der Verteilung von Strukturfördergeldern der EU leer auszugehen.
Auch die geplante Verwaltungsreform auf dem "grünen" Sektor sehen die Verbände mit kritischen Augen. Dies würde nach dem derzeitigen Stand der Diskussion, der z.B. zwei Naturschutzbehörden auf kommunaler Ebene vorsieht, keine Verwaltungsvereinfachung bringen. Ausserdem sehen BUND und NABU in der "Quasi-Privatisierung" von Teilen der Forstverwaltung die Gefahr, dass die fachliche Qualität der Arbeit auf fast 40% der Landesfläche verloren geht. Darüber hinaus listen BUND und NABU auf der Sollseite der Bilanz noch die natur- und tierschutzfeindliche Novellierung des Jagdgesetzes, die drastische Kürzung der Mittel für den Artenschutz oder die zögerliche Fortführung der Biotopkartierung auf. "Ich muß gestehen, dass ich mich sehr schwer tue, auf der Habenseite der Bilanz etwas auszuweisen," so der

NABU-Vorsitzende, Prof. Dr. Rüdiger Wagner, der "allenfalls auf das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue verweisen kann, wo der Verzicht auf die technische Hochwasserrückhaltung wohl endlich Beschlußlage ist."

Auf dem Weg zum Natur-Zerstörungsgesetz

Umweltminister Dietzel lebt noch in der Naturschutz-Steinzeit

Auf dem Weg zum Natur-Zerstörungsgesetz sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel mit dem gestern vom Kabinett beschlossenen Entwurf zur Novelle des Landesnaturschutzgesetzes. Der BUND stellt eine Schwächung des Naturschutzes auf allen Ebenen und in fast allen Instrumenten fest. "Der Minister lebt noch in der Naturschutzsteinzeit", kommentiert BUNDnaturschutzreferent Thomas Norgall die vom Minister gemachten Ausführungen.

Die Kritikpunkte des BUND sind:

  • Die Streichung der Einvernehmensregelung führt zu einer Schwächung der Naturschutzbehörden und erleichtert den Zugriff der Planungsbehörden auf die Fläche der Grundbesitzer.
  • Die Streichung des Devolutionsrechts führt zu einer Schwächung des ehrenamtlichen Naturschutzes.
  • Die Streichung der Landschaftsrahmenpläne schwächt die Planungsmöglichkeiten des Naturschutzes. Hierdurch werden die Konflikte, z. B. zur Windkraft verstärkt, weil keine Vorrangräume mehr planerisch abgestimmt werden können.
  • Der rechtliche Vorrang des Vertragsnaturschutzes widerspricht dem Staatsauftrag der Hessischen Verfassung zum Naturschutz. Das Land hat die Pflicht zum Schutz der Natur. "Der Rückzug auf Verträge bedeutet Naturschutz auf Zeit und nach Kassenlage" kritisiert Thomas Norgall vom BUND.
  • Der Katalog "Gesetzlich geschützter Biotope" wird zusammengestrichen. Hessen-typische Biotope, wie die Streuobstwiesen, gehören künftig nicht mehr zu dieser Kategorie. Auch Teiche und Tümpel und damit die Amphibienbestände können künftig wieder leichter zerstört werden.

In der Praxis ist seit dem Beginn der Neuorientierung der europäischen Agrarpolitik 1992 ein Mix von Pflicht (Schutzgebietsverordnung) und freiwilligen Vereinbarungen (Vertragsnaturschutz) möglich. Dieser Weg der Verständigung wird mit der Landwirtschaft bundesweit immer gefunden, wenn ein Land ausreichend Geld für den Vertragsnaturschutz bereitstellt und die Schutzgebietsausweisungen nicht - wie in Hessen - aus ideologischen Gründen blockiert werden. Betretungsverbote gegen freilaufende Hunde zum Schutz der Brachvögel in der Wetterau lassen sich nicht durch Verträge mit den Landwirten herstellen, erläutert der BUND die Notwendigkeit von Schutzverordnungen. Der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ist heute eigentlich Vergangenheit.

Schon heute werden Grundstückeigentümer, Landwirte und Waldbesitzer, durch Bundesrecht an allen Planungen des Staates beteiligt. Wenn Minister Dietzel hier Probleme entdeckt, muss er sich mit seinem Kollegen Posch vom Wirtschaftsministerium verständigen, fordert der BUND. Eine Beteiligung der Berufsverbände der Land- und Forstwirtschaft hilft dem Eigentümer oder Pächter aber nicht weiter. Naturschutzgesetz Novelle

Eine Novelle gegen den Naturschutz

BUND sieht Minister Dietzel auf hartem Konfrontationskurs gegen den Naturschutz

Als eine "Novelle gegen den Naturschutz" bezeichnet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Entwurf zur Neufassung des Hessischen Naturschutzgesetzes. Was sich in Hessen über viele Jahre bewährt hat, soll abgebaut werden. Wegfallen sollen nicht nur zahlreiche Verbandsklagemöglichkeiten, sondern auch andere wesentliche Schutzmechanismen in Genehmigungsverfahren. Ausgehöhlt wird der Schutz "gesetzlich geschützter Biotope". Neue Schutzgebiete wird es nur noch im Ausnahmefall geben, da der Vertragsnaturschutz Vorrang erhält. Neu eingeführt wird dafür die Verbandsbeteiligung der "zuständigen Bauern-, Waldbesitzer- sowie Wasser- und Bodenverbände". Sie erhalten nun die gleichen Beteiligungsrechte wie die anerkannten Naturschutzverbände. Außerdem sollen Landwirte und Waldbesitzer künftig in Hessen einen finanziellen Ausgleich auch für solche Maßnahmen erhalten, die sie nach dem Grundgesetz wegen der Sozialbindung des Eigentums ohne Entschädigung hinnehmen müssten. "Der Minister fährt einen knallharten Kurs gegen den Naturschutz. Seine überzogene Lobbypolitik wird den hessischen Landwirten und Waldbesitzern schaden", kritisiert BUNDvorstandsmitglied Herwig Winter. Der BUND fordert die Regierungsfraktionen aus CDU und F.D.P zur Korrektur auf: "Naturschutz und Landschaftspflege sind viel zu wichtig, um erneut in alte Grabenkämpfe zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zurückzukehren."

Während die hessischen Naturschutzbehörden seit über 20 Jahren zu Eingriffen in der Landschaft ihr Einvernehmen erklären müssen und so die gesetzestreue Anwendung des Naturschutzgesetzes selbst garantieren, bevor eine Genehmigung erteilt wird, sollen sie künftig nur noch gehört werden (sog. "Benehmensregelung"). Parallel dazu werden weitere Zuständigkeiten, wie das Aussetzen von Pflanzen und Tieren, von den oberen Naturschutzbehörden auf die unteren Naturschutzbehörden verlagert und die Beeinträchtigung und Zerstörung gesetzlich geschützter Biotope, wie naturnahe Ufer, Quellen, seltene Waldformationen oder Heiden und Trockenrasen erleichtert. Sind Beeinträchtigungen dieser Spitzenbiotope heute nur in besonderen Ausnahmefällen möglich, wenn "überwiegende Gründe des Gemeinwohls" vorliegen, genügt es künftig, wenn die Natur -Schäden formal-juristisch "ausgeglichen" sind. Damit und mit der Einführung der einfachen Eingriffsregelung als Genehmigungsvoraussetzung wird der "besondere Schutz" dieser Flächen aufgehoben. Gleichzeitig wird der Katalog der gesetzlich geschützten Lebensräume gekürzt. Streuobstbestände, Alleen, Feldgehölze, Hohlwege, Trockenmauer, Feuchtwiesen oder Teiche und Tümpel werden nach dem Willen des Ministers künftig nicht mehr zu den besonders geschützten Biotopen gehören.

Außer der Streichung des Verbandsklagerechts gegen Grundwasserentnahmen und andere Genehmigungen wird auch die behördeninterne Kontrollmöglichkeit der Naturschutzbeiräte gestrichen. Die Beiräte der unteren Naturschutzbehörden können bisher die Entscheidung der oberen Naturschutzbehörden erzwingen, wenn sie die richtige Rechtsanwendung bezweifeln. Dieses "Devolutionsrecht" soll entfallen.

Völlig inakzeptabel ist für den BUND der von Dietzel geforderte Vorrang des Vertragsnaturschutzes vor anderen Maßnahmen der Behörden. Naturschutz ist ein Auftrag aus der hessischen Verfassung. Nach Auffassung des BUND muss der Staat deshalb immer das aus seiner Sicht geeignete Mittel zur Umsetzung der gesetzlichen Ziele wählen. Der Vorrang von Verträgen vor Verboten durchbricht die Rechtsordnung. Aus der Sicht des BUND wird die Regelung zu endlosen Diskussionen über die Notwendigkeit staatlicher Vorgaben führen, da die Betroffenen deren Notwendigkeit immer bestreiten werden. Wer die Natur dauerhaft schützen will, muss die Kernelemente aber mit dauerhaften Bestimmungen sichern und kann sich nicht auf die begrenzte Zeit von Vertragslaufzeiten beschränken. Sinnvoll kann in Schutzgebieten die Kombination von Verboten und Vertragsregelungen sein. Der Vorrang des Vertragsnaturschutz ist für den BUND "blanke Ideologie aus vergangener Zeit."

Der Vorrang des Vertragsnaturschutzes korrespondiert fatal mit dem gegenüber dem Grundgesetz erweiterten Entschädigungsanspruch den Dietzel, der vor seiner Ministerzeit stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Bauernverbandes war, seinen Berufskollegen und den Waldbesitzern zusprechen will. Erhält diese Regelung Gesetzeskraft, wird die Landesregierung ihren Verfassungsauftrag nur noch nach Kassenlage umsetzen. Entschädigungsrechte, die über das grundgesetzlich garantierte Maß hinausgehen, lehnt der BUND ab. "Man kann dann auch gleich eine Preisliste veröffentlichen, die festlegt, was ein Landwirt z. B. für die Erhaltung eines - ggf. seit vielen Jahrzehnten bestehenden - gesetzlich geschützten Biotops fordern darf. "Wir können uns kaum vorstellen, dass die Konsequenzen dieser Regelung schon allen Mitgliedern der Landesregierung bekannt sind", spekuliert Herwig Winter vom BUND.

Völlig absurd und eindeutig Klientelpolitik ist für den BUND die Gleichstellung der Bauern- und Waldbesitzerverbände mit den anerkannten Naturschutzverbänden. "Die Straßenbauämter, die Gemeinden und andere Planungsträger werden sich für diesen Unfug bedanken", reagiert Herwig Winter vom BUND verärgert. Jahrelang hat man den Naturschutzverbänden und -behörden ohne Grund die Verzögerung von Verwaltungsverfahren vorgeworfen. Und nun will Minister Dietzel die Verfahren um weitere Beteiligte aufblähen. Völlig schleierhaft ist dem BUND, was in der Gesetzesbegründung mit dem Satz "Dies schien aus Gründen der Waffengleichheit geboten" gemeint sein könnte.

Inakzeptabel ist für den BUND auch die Regelung zum Biotopverbund. Hier will Dietzel die zwingende Vorgabe durch einen Trick unterlaufen. Auf die 10 % Vorrangflächen des Naturschutzes sollen auch die Landschaftsschutzgebiete angerechnet werden. Diese schwächste Form des Naturschutzes sichert aber in der Praxis nicht den Vorrang des Naturschutzes, sondern stellt nur ein besonderes Bauverbot im Außenbereich dar. Von der geäußerten Absicht der Landesregierung, den Schutz der Schöpfung mit dem Gesetzentwurf nicht schwächen zu wollen, ist die zur Anhörung vorgelegt Fassung weit entfernt. Im Gegenteil:

  • der Schutz von Lebensräumen wird in einer nicht gekannten Art und Weise reduziert (z. B. Wegfall des gesetzlichen Schutzes für zahlreiche Biotoptypen; Genehmigungsfreiheit für die Beseitigung innerstädtischer Grünflächen; Aufgabe der Pflegeplanung für Naturschutzgebiete, Verzicht auf Zielvorgabe für den Biotopverbund)
  • Wichtige Instrumente des Naturschutzrechts werden ausgehöhlt oder geradezu in ihr Gegenteil verkehrt (z. B. Anspruch auf Eingriffsgenehmigung; zahlreiche Ausnahmen von der Eingriffsregelung; willkürliches Aussetzen von Tieren) bzw. zu Gunsten eines Naturschutz nach Kassenlage aufgegeben (absoluter Vorrang des Vertragsnaturschutz). Gleichzeitig werden auch die planenden, konsensorientierten Instrumente und der Vollzug der Naturschutzgesetze geschwächt (z. B. Abschaffung der Einvernehmensregelung, Aufgabe der Landschaftsrahmenplanung, Aushöhlung der Landschaftsplanung, Verzicht auf ein landesweites Naturschutzregister).
  • Die vielen tausend Mitglieder der hessischen Naturschutzverbände haben in der Vergangenheit die umfänglichen Defizite in der Naturschutzpolitik mit großem Engagement ausgeglichen. Sie werden künftig in Hessen zu Ehrenamtlichen zweiter Klasse degradiert und ihre Mitwirkung z. B. in den Naturschutzbeiräten(z. B. Abschaffung des Devolutionsrechts) entwertet.

Demgegenüber fallen die positiven Ansätze im Gesetzentwurf spärlich aus. Zu begrüßen wäre zwar die längst überfällige Integration der Naturparke in das Naturschutzrecht, wenn sie nicht wegen der Ausnahmeregelung für alle bestehenden Naturparke gänzlich folgenlos bliebe. Befürwortet wird die Wiedereinführung der ehrenamtlichen Naturschutzwacht nach ihrer Abschaffung im Rahmen des LFN-Reformprozesses.

Im Mittelpunkt unserer Kritik stehen die folgenden Änderungen:

  • Ausgestaltung des Vorrangs des Vertragsnaturschutzes
    Grundsätzlich ist der Vertragsnaturschutz, der in Hessen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich praktiziert wird, ein geeignetes Instrument, um Schutzziele im Einklang mit den Bewirtschaftern zu erreichen. Die Vorab-Prüfung von vertraglichen Lösungen, die bereits Erlasslage ist, scheiterte denn auch weniger am mangelnden behördlichen Willen als vielmehr an der nach wie vor völlig unzureichenden Mittelausstattung. Der Wille des Landesgesetzgebers zu stärkerer Kooperation im Naturschutz wird künftig an dieser Mittelausstattung zu messen sein. Die bisherige Praxis der EU-Kofinanzierung führt zudem zu ganz erheblichem Verwaltungsmehraufwand, etwa für Kontrolle und Nachweisführung. Unabhängig davon ist die Ausgestaltung des Vertragsvorrangs im Gesetzentwurf mangelhaft. Die Erstreckung über den Flächenschutz hinaus auf alle naturschutzrechtlichen Instrumente erscheint unpraktikabel. Es muss weiterhin klargestellt werden, dass bei der Schutzgebietsausweisung nach wie vor für einen effektiven Schutz von Natur und Landschaft auf eine ordnungsrechtliche Begleitung, etwa für Betretungsregelungen, Grenzziehung etc. nicht verzichtet werden kann. Insbesondere für Lebensräume mit langer Regenerationsdauer sind kurzfristige vertragliche Vereinbarungen ohne langfristige Absicherung fachlich nicht sinnvoll und bedeuten letztlich nur eine versteckte Subvention des Eigentümers und eine horrende Verschwendung von Steuergeldern. Dem muss vor allem bei den Regelungen zur Beendigung des Vertrages und zur Wiederaufnahme der Nutzung Rechnung getragen werden.
  • Schwächung der Landschaftsplanung
    Die Abschaffung der Landschaftsrahmenplanung, die insbesondere bei den anstehenden Eingriffen mit großräumiger Wirkung entscheidend zur Lenkung von Eingriffswirkung und Kompensation hätte beitragen können, ist angesichts des Wunsches der Landesregierung nach einem stärkeren Miteinander der beteiligten Kräfte nicht nachvollziehbar. Mit der Aushöhlung des Landschaftsplanes durch Verzicht auf wesentliche Inhalte und klare Aufstellungsfristen wird der Naturschutz vor Ort massiv geschwächt. Die Gemeinden, die sich in den vergangenen Jahren rechtstreu verhalten haben und in eine gründliche Landschaftsplanung investiert haben, werden durch die Regelung des Gesetzentwurfes bestraft.
  • Aufweichen der Eingriffsregelung
    Die Eingriffsregelung, die den sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen fördern und das Verursacherprinzip im Naturschutz umsetzen soll, hat bereits durch den sogenannten Baurechtskompromiss und das Investitionserleichterungsgesetz erheblich an Gestaltungskraft eingebüßt. Bei unverändertem Inkrafttreten des vorliegenden Gesetzentwurfes würde dieser Trend verstärkt. In Hessen erhalten potentielle Eingreifer, einmalig in Deutschland und mit dem Bundesnaturschutzgesetz unvereinbar, faktisch einen Anspruch auf Eingriffsgenehmigung. Zusätzlich zu dieser Umkehr der bisherigen Rechtslage werden zahlreiche neue Ausnahmetatbestände geschaffen und Kriterien wie Erholungswert, Tier- und Pflanzenwelt als wichtige Bezugsgrößen gerade bei großräumigen Eingriffen gestrichen. Insgesamt wird diese Regelung zu einer Beschleunigung des Flächenverbrauchs führen. Mit der Abschaffung der Einvernehmensregelung wird nun auch der gesamte Außenbereich in die Willkür der Eingriffs-Fachverwaltungen entlassen. Da Letzteren das Personal und die Qualifikation für eine fachgerechte Abarbeitung der Eingriffsregelung fehlt, wird praktisch auch weiterhin die Naturschutzbehörde den fachlichen Beitrag leisten. Effizienzsteigerungen sind von daher nicht zu erwarten. Vielmehr tritt in der beabsichtigten Regelung das grundsätzliche Misstrauen der Entwurfsverfasser gegenüber dem Naturschutz zu Tage. Ohne wirkliche Begründung wird die Entscheidung über den Natureingriff im Konfliktfall künftig von der demokratisch legitimierten politischen Ebene in die Hand der Eingriffsverwaltungen verlagert, die dem Schutz der Natur schon aus ihrem Auftrag heraus geringeres Gewicht zumessen.
  • Aufgabe des gesetzlichen Biotopschutzes
    Mit der Neuregelung des gesetzlichen Biotopschutzes (§ 15d ds. Entwurfs) werden die bislang erfassten typischen hessischen Lebensräume, insbesondere die mit der Apfelweintradition eng verknüpften Streuobstwiesen, über Nacht schutzlos gestellt. Genauso ergeht es künftig Alleen, Hecken, Hohlwegen, Trockenmauern und vielen weiteren Biotopen, die für die - auch europarechtlich nachzuweisende - Vernetzung der Lebensräume unbedingt erhalten werden müssten. Feuchtwiesen, die nicht nur sehr gefährdete Lebensräume, sondern auch Standorte zahlreicher seltener und geschützter Pflanzenarten sind, verlieren ebenfalls ihren gesetzlichen Schutz.
  • Verzicht auf Pflegeplanung
    Ohne dass der Gesetzentwurf hierfür eine Begründung enthält, wird die bislang vorgeschriebene Pflegeplanung für Naturschutzgebiete mehr oder weniger ersatzlos gestrichen. Gerade mit Blick auf die komplexe Lebensweise mancher FFH-Art und die daraus resultierenden differenzierten, kleinräumigen Pflegenotwendigkeiten insbesondere in den zahlreichen hessischen Kulturlandschafts-NSG wird deutlich, dass die vorgesehene Regelung im Rahmen der Schutzgebietsverordnungen den Verlust der Pflegeplanung nicht wird ersetzen können. Schutzgebiete, Tiere und Pflanzen werden preisgegeben und ohnehin knappe Pflegegelder ziellos verschwendet.
  • Abschaffung des Devolutionsrechts
    Die Mitglieder der hessischen Naturschutzbeiräte engagieren sich zum Teil bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den Schutz der Natur und sind in ganz besonderer Weise auch in Naturschutzgruppen vor Ort verankert. Mit ihrer Arbeit und Stimme in den Beiräten verleihen sie diesen vielen tausend Menschen und den Belangen der Natur Gehör und Gewicht im Verwaltungsverfahren. Die Überzeugungskraft ihrer Argumente hängt nicht unwesentlich auch von der Möglichkeit der Devolution ab. Gleichwohl wird von diesem Recht alljährlich im Vergleich zur Gesamtzahl der Verfahren sehr verantwortungsbewusst und zurückhaltend Gebrauch gemacht. Insoweit ist ein so weitgehender Eingriff in die Beiratsrechte unverständlich. Eine nennenswerte Verkürzung der Devolutionsverfahren wäre auch mit geringeren Mitteln, allein schon durch eine Aufgabe des Erfordernisses einer, zumeist fruchtlosen erneuten Beratung zu erreichen gewesen.

Michael Rothkegel
Landesgeschäftsführer

zum Seitenanfang

Einladung zur Landesdelegiertenversammlung 2002

Einladung zur Landesdelegiertenversammlung des BUND Hessen am Samstag, den 16. März 2002, im Saalbau-Bürgerhaus Griesheim, Schwarzerlenweg 57, 65933 Frankfurt a. M., Fon 069 388707.

Der Landesvorstand lädt alle Delegierten und Mitglieder zur Landesdelegiertenversammlung 2002 herzlich ein.

Vorläufige Tagesordnung

  • Begrüßung
  • Wahl der Versammlungsleitung
  • Beschluss über die Tagesordnung
  • Beschluss über die Geschäftsordnung
  • Gastreferat
  • Leitantrag des Landesvorstands
  • Vorstandsbericht, Geschäftsbericht und Aussprache
  • Entgegennahme der schriftlichen Berichte des Landesrates, des Fachrates, der Arbeitskreise und der BUNDjugend
  • Bestätigung des Fachratssprechers und der ArbeitskreissprecherInnen
  • Bericht der KassenprüferInnen
  • Kassenbericht 2001 und Aussprache
  • Entlastung des Vorstands
  • Beschlüsse über Finanzanträge
  • Beschluss über den Haushaltsplan 2002
  • Wahl einer Wahlkommission
  • Wahl zweier KassenprüferInnen
  • Beschlüsse über Satzungsanträge
  • Beschlüsse über Sachanträge

Brigitte Martin
Vorstandssprecherin

Herwig Winter
Vorstandssprecher

zum Seitenanfang

Staatliche Qualifikation im Bereich der erneuerbaren Energien

Viele Wochenendlehrgänge und große Zertifikate gibt es zum Thema erneuerbare Energien auf dem Markt. Aber eine fundierte staatliche Ausbildung mit einem europaweit anerkannten Titel und Abschluss gibt es bislang bundesweit einmalig nur an der Fachschule für Technik in Butzbach. Dort werden Personen aus den Berufsfeldern Elektro und Metall (alle Metall- und Elektroberufe) zu Experten in den Sektoren Photovoltaik, Solarthermie, Wind, nachwachsende Rohstoffe und Geothermie ausgebildet. Verknüpft werden diese Themen mit allen Möglichkeiten der Energieeinsparung von dem ökologischen Hausbau (moderne Fenster- und Dämmtechniken) bis hin zu zeitgemäßen Heizungstechniken wie Blockheizkraftwerke oder Brennwerttechnik. Damit diese technischen Qualifikationen auch multipliziert werden können, spielen die Stichworte Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Energieberatung eine wesentliche Rolle. Wer in den genannten Berufen FacharbeiterIn ist und mindestens eine einjährige Berufspraxis nachweist, wird zwei Jahre lang in Butzbach vollzeitgeschult, nach MeisterBAföG gefördert und ist dann Staatlich geprüfter Techniker/in auf einem Level zwischen Meister und Ingenieur. Der Ausbildungsbeginn ist jährlich nach den hessischen Sommerferien.
Informationen gibt es unter der Rufnummer (0 60 33) 9 24 60 30 (Studiendirektor Diethardt Stamm).

Ansprechpartner in der Landesgeschäftstelle des BUND Hessen ist Wohlrad Lang.

zum Seitenanfang

Jugendvollversammlung – mit uns die Erde retten!

Zwei von drei Mitgliedern der Landesjugendleitung werden Mitte nächsten Jahres ein Studium beginnen und aus Hessen wegziehen. Deshalb soll auf einer außerplanmäßigen JVV eine neue Lajulei gewählt werden.
Die Frühjahrs-JVV findet statt am
Sonntag, 10.03.2002
von 10 - 16 Uhr
im Bürgerhaus Bornheim, Raum C3

Neben den Formalien, die es zu klären gibt, bleibt viel Raum, um weiter an unseren Projekt-Ideen für 2002 zu schmieden oder neue Ideen zu entwickeln. Dafür brauchen wir Leute mit Phantasie und Kreativität, die Lust haben mit anderen zusammen etwas für eine bessere Zukunft auf unserem Planeten zu machen. Und dabei kannst auch Du helfen!
Vielleicht hast Du Lust unseren Beitrag zum Jugendkirchentag in Gießen im Mai mit vorzubereiten oder die Sternradtour „bike + 10“, die anlässlich der Klima-Konferenz in Johannisburg im August 2002 stattfinden soll?!
Außerdem brauchen wir natürlich wieder jede Menge motivierte TeamerInnen für die vielen Kinderfreizeiten, die für dieses Jahr geplant sind!
Übrigens: die JVV ist auch die ideale Gelegenheit für alle, die einfach mal bei der BUNDjugend vorbeischnuppern wollen. Interessierte sind herzlich willkommen!

Also am besten gleich im Büro Bescheid geben, dass Du kommst! Für Getränke, Mittagessen und nette Gesichter ist gesorgt.

Also, kommt zahlreich ...

Tagesordnung Frühjahrs-JVV 2002

    * Begrüßung durch die Landesjugendleitung, Feststellung des Stimmberechtigung
    * Wahl der Versammlungsleitung
    * Feststellung der satzungsgemäßen Einladung
    * Kontrolle des Protokolls der JVV 2001, Wahl eines/r ProtokollantIn
    * Berichte
         1. Landesjugendleitung
         2. Finanzen 2002
         3. Aktionen 2002 – Stand der Dinge
         4. Landesgeschäftsstelle
         5. Entlastung der Landesjugendleitung
    * Anträge
    * Wahlen
          o LandesjugendsprecherInnen,
          o BeisitzerInnen
    * Ende der Versammlung

Und vorher schon schriftliche Informationen? Ein Jahresbericht 2001 und das neue Veranstaltungsprogramm 2002 der BUNDjugend Hessen kann ab Ende Januar in der Geschäftsstelle kostenlos angefordert werden. Die aktuellen Informationen findet Ihr auch immer unter http://www.bundjugendhessen.de

Aktionen für den Umweltschutz

Auch in 2002 wird die BUNDjugend bei zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen rund um den Umweltschutz dabei sein. Einige Termine stehen schon fest:

    * Ende April Anti-Atom Demo Biblis
    * 29.05. - 02.06. Jugendkirchentag Gießen
    * 9. - 12.05. Jugendumwelttage (JUT) offen
    * August Bike +10 Fahrradtour
    * September Multivisionsshow in Hessen in verschiedenen Städten

JUT

Auch dieses Jahr gibt es über Himmelfahrt wieder die Jugendumwelttage. Dieses Jahr geht es, passend zur Multivisionsshow (die dort auch zu sehen sein wird) und den Aktionen zu Rio+10 um das Thema Klima. Der Veranstaltungsort ist noch nicht festgelegt, zur Diskussion steht Göttingen. Veranstaltet werden die JUT gemeinsam von der Naturschutzjugend und der BUNDjugend. Wer Lust hat, bei der inhaltlichen Organisation mitzuwirken, kann sich an die Landesgeschäftstelle der BUNDjugend Hessen oder direkt an den Bundesverband wenden.

Das vollständige Veranstaltungsprogramm sowie weitere Infos gibt es bei der
BUNDjugend Hessen.

Weitere Infos zu den aktuellen Terminen und Veranstaltungen sind auch immer auf unserer homepage www.bundjugendhessen.de zu finden. Dort kannst Du dich auch online anmelden oder nette Fotos betrachten!

Liebe Freunde, liebe Freundinnen der Erde,

die BUNDjugend braucht Geld. Deswegen haben wir uns überlegt, die vielen Veranstaltungen und Aktionen, die wir im kommenden Jahr durchführen wollen, durch Spenden in der Form von Projekt-Aktien zu finanzieren. Um unsere vielen Aktivitäten wie geplant durchführen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Deshalb haben wir uns mit dem Landesvorstand darauf geeinigt, unsere Projekte in Form von „Aktien“ zu finanzieren. Wir verwenden diese Spenden für unsere Projekte wie das Naturtagebuch, den Ökoführerschein, das Kindergruppenzeltlager, die Leben auf dem Bauernhof-Freizeiten, unser Aktiv-Info und unsere Homepage www.bundjugendhessen.de, auf der auch ein Muster unserer Aktien zu finden ist.

BUNDjugend Hessen Projekt-Aktien

Ab sofort sind diese Aktien bei der BUNDjugend Hessen in Höhe von 25€ je Aktie mit Spendenquittung erhältlich. Wir bitten herzlich darum, unseren „Börsengang“ durch den Kauf der Aktien zu unterstützen und für unsere Aktien auch bei Verwandten und Freunden zu werben.

Mit großen Erwartungen,
die Landesjugendleitung.

Schenken!

BUNDjugend Hessen Geschenkgutscheine

Suchen Sie noch eine nette Geschenkidee für Freunde, Kinder und Verwandte? Dann sind Sie richtig bei der BUNDjugend! Die BUNDjugend Hessen hat seit neustem Geschenkgutscheine anzubieten.

Sie können in beliebiger Höhe ausgestellt (ein Wochenendseminar z.B. kostet ca. 30 €) und bei jeder Veranstaltung der BUNDjugend Hessen eingelöst werden. Machen Sie auch nach Weihnachten noch eine Freude !