Hier finden Sie folgende Artikel aus den HESSENseiten im BUNDmagazin

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Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

»mobil sein« ist eine Anforderung, die die moderne Gesellschaft an jeden Einzelnen von uns stellt. Und wer mobil sein soll, der will oder muss auch mobil erreichbar sein: 50 Millionen Handys sind in Deutschland im Einsatz. Ob Klingeln, Brummen, Schrillen oder eine bekannte Melodie, mobile Telefone melden sich zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Doch obwohl man annehmen kann, dass das Handy mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil des mobilen Lebens für viele Menschen geworden ist, so regt sich dennoch immer häufiger Widerstand gegen die sogenannten Mobilfunk-Basisstationen. Kaum dass eine solche Sendeanlage auf einem Wohnhaus, einem Bürogebäude oder einem Kirchendach aufgestellt ist, wehren sich Bürgerinitiativen, melden sich besorgte Eltern zu Wort und steht Vorständen von Kirchengemeinden Ärger ins Haus.

Welt paradox? Ich meine nein.

Derzeit gibt es in Deutschland etwa 50.000 Basisstationen mit zum Teil mehreren Sendeanlagen. Für die neue UMTS-Technologie werden zusätzlich mehrere 10.000 weitere Anlagen geplant. All dies, ohne dass die Fragen über mögliche gesundheitliche Belastungen durch elektromagnetische Felder (EMF) im hochfrequenten Bereich, wie sie bei diesen Sendeanlagen ausgestrahlt werden, geklärt sind. Die vorhandenen Grenzwerte, bei deren Einhaltung keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auftreten sollen, schützen nur vor den sogenannten thermischen Wirkungen der EMF, d.h. die Erwärmung der Körperzellen des Menschen durch elektromagnetische Strahlung darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Daraus resultieren Sicherheitsabstände zu den Sendeanlagen von wenigen Metern.

Nicht berücksichtigt werden bislang aber die sogenannten nicht-thermischen Wirkungen der EMF, die schon weit unterhalb der bestehenden Grenzwerte auftreten und die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. In Studien sind Auswirkungen auf das Immunsystem, das Zentrale Nervensystem, das Hormonsystem und anderes mehr festgestellt worden.

Der BUND fordert deshalb zur Vorsorge vor Risiken und Belastungen durch EMF eine drastische Senkung der Grenzwerte und damit wesentlich höhere Sicherheitsabstände zu den Mobilfunkstationen.

Um es deutlich zu sagen: Es geht nicht darum, den Betrieb von Handys verbieten zu wollen. Sehr wohl geht es aber darum, die Risiken bei der Benutzung der Handys und insbesondere beim Bau von Sendeanlagen soweit zu minimieren, dass keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen davon ausgehen. Das besondere Problem bei den Sendeanlagen ist ja, dass die Anwohner der Strahlung unfreiwillig ausgesetzt sind, die Belastung dauerhaft ist und sehr viele Menschen von ihr betroffen sind.

Das gegen die Vorschläge des BUND und anderer vorgebrachte Argument, bei drastischer Reduzierung der Grenzwerte wäre eine flächendeckende Mobilfunkversorgung nicht mehr möglich, zieht nicht, da auch in Ländern wie Schweiz und Italien, die z.T. deutlich geringere Grenzwerte haben, mobiles Telefonieren möglich ist. Auch sind moderne Handys empfindlich genug, im Freien mit einer Basisstation in einem Abstand von mehreren Kilometern zu kommunizieren. Vielleicht ist dann allerdings eine Handy-Nutzung im Keller, in der Tiefgarage oder in der U-Bahn nicht mehr möglich. Ich bin allerdings der Meinung, dass der Anspruch nach einer flächendeckenden Mobilfunknutzung nur dann berechtigt ist, wenn das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen minimiert ist.

Michael Rothkegel

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Gefahr für das Europa-Reservat »Rheinauen«

Brückenpläne für eine Straßenbrücke Bingen-Rüdesheim bedrohen die Rheininseln

Aktionstag »Natur erleben - Rheinauen erhalten«  am 2. September 2001

Die Rheinlandschaft zwischen Mainz/Wiesbaden und Koblenz/Lahnstein mit dem Mittelrheintal ist seit Jahrhunderten eines der attraktivsten und meistbesuchten Reiseziele Deutschlands. Vor allem auf ausländische Besucher üben der Rheingau und das romantische Rheintal ihre Anziehungskraft aus.

Die Rheininseln haben herausragende Bedeutung als Brutgebiet bedrohter Vogelarten, Überwinterungsgebiet und Rastgebiet für Tausende von Wasservögeln auf ihrem Zug in den Süden.

Der Rheinabschnitt zwischen Eltville und Bingen ist ausgewiesenes Naturschutzgebiet, Europa-Reservat, nach der Ramsar-Konvention anerkanntes Feuchtgebiet internationaler Bedeutung, Schutzgebiet nach der EU-Vogelschutzrichtlinie und gemeldetes FFH-Gebiet.

Nun werden jedoch Pläne diskutiert, die Städte Bingen und Rüdesheim mit einer Straßenbrücke zu verbinden. Sie soll über die Rüdesheimer Aue führen. Die Bedeutung und der Wert dieser Insel, der benachbarten Rheininseln Ilmen Aue und Fulder Aue sowie der in den Uferbereichen gelegenen urtypischen Auwäldern und seichten Stillwasserflächen würden durch die Errichtung einer Brücke höchstwahrscheinlich zunichte gemacht. Es ist davon auszugehen, dass die während der Bauphase in ihrem Brutgeschäft gestörten Vögel später nicht wieder zurückkehren werden, ganz abgesehen davon, dass durch Brückenpfeiler und Trasse wertvolle Lebensräume beeinträchtigt und zerstört werden.

Es ist schwer vorstellbar, wenn im Übergangsbereich vom Inselrhein zum Mittelrheintal eine Straßenbrücke das Landschaftsbild beeinträchtigt. Gerade die Besucher aus dem Ausland lieben die Fahrt auf einem der Ausflugsschiffe und werden wenig Verständnis aufbringen, wenn im Blick auf Rüdesheim mit Niederwald-Denkmal oder die Einfahrt in das Mittelrheintal mit dem Mäuseturm, der Vordergrund durch eine Brücke dominiert wird. Für die Zukunft des qualitativ hochstehenden Tourismus, wie er nach Aussagen der Tourismusbranche angestrebt wird, dürfte eine Brücke mehr negative als positive Auswirkungen zeigen. Es zeugt von kurzsichtigem Denken, wenn der Blick auf die Tagestouristen gerichtet ist, die vom Flughafen Hahn in kürzest möglicher Zeit in den Rheingau gelockt werden sollen.

Ist erst eine Brücke vorhanden, die auf der einen Rheinseite bei Bingen eine Anbindung an eine Autobahn aufweist, ist der nächste Schritt mit der Schaffung des Lückenschlusses zur A66/B42 im Autobahnnetz bei Eltville quasi vorgegeben. Einem Ausbau einer einmal vorhandenen Brücke dürfte dann nichts mehr im Wege stehen. Aussagen von Ministern beider betroffenen Bundesländer, anderen hochrangigen Politikern und der IHK Rheinhessen und Wiesbaden sprechen hier eine deutliche Sprache. Die auch von Brückenbefürwortern heute noch abgelehnte Höhenstraße durch den Rheingau stellt dann die einzige denkbare Lösung dar.

Wenn heute im Zusammenhang mit dem Bau einer Brücke davon die Sprache ist, dass diese zu einem schnelleren Erreichen von Zielen und auch kürzeren Wegen führt, kann dieses Argument allenfalls für die Städte Bingen, Geisenheim und Rüdesheim gelten. Für alle anderen Städte und Gemeinden im Einzugsbereich der Brücke dagegen sind weitere Wege zurückzulegen. Diese führen neben höheren Kosten auch zu stärkeren Belastungen der Umwelt und der Bewohner von Bingen und Rüdesheim verursacht durch zusätzlichen Durchgangsverkehr von und zur Brücke.

An drei Orten im Einzugsbereich der Brücke existiert ein gut funktionierender Fährbetrieb. Es sind die Verbindungen Oestrich-Mittelheim - Ingelheim, Bingen - Rüdesheim mit einer zusätzlichen Personenfähre und Niederheimbach - Lorch. Diese Fährverbindungen sind in ihrem Bestand akut gefährdet, schon heute tätigen die Fährbetreiber keine Investitionen mehr. Durch Aufgabe des Fährbetriebs, ist auch der Verlust von Arbeitsplätzen auf den Fähren zu verzeichnen.

Anstatt viele Millionen für Untersuchungen, Studien und Bau einer Brücke auszugeben, sind Investitionen in eine Verbesserung des Fährbetriebs wie Ausweitung der Betriebszeiten der Fähre Bingen - Rüdesheim in einen 24 stündigen Betrieb, sowie infrastruktureller Art an den Anlegestellen sinnvolle und nachhaltige Ausgaben. Der im vergangenen Jahr gegründete Verein »24-Stunden Fährbetrieb am Rhein« hat es sich zum Ziel gesetzt, den Fährbetrieb zu erhalten, auszubauen und damit einen wichtigen Grundstein zum Erhalt der Rheinauen zu legen.

Um der akuten Gefährdung der Rheinauen entgegenzutreten, hat sich im März 2001 ein länderübergreifendes Aktionsbündnis Rheinauen gegründet, dem neben den Umweltverbänden BUND, HGON Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz), NABU, der VCD sowie der Verein »24-Stunden-Fährbetrieb am Rhein«, Orts- und Kreisgruppen der Grünen und Vertreter der SPD angehören.

Das Aktionsbündnis hat sich den Leitgedanken »Ja zum Rhein, zur Brücke Nein« gegeben und will sich durch Information, Lobbyarbeit und Aktionen für den Erhalt und den Schutz der Rheininseln einsetzen.

Eine erste Großveranstaltung findet am 2. September 2001 als Aktionstag »Natur erleben - Rheinauen erhalten« statt. Schwerpunkte dieses Aktionstags sind geführte Exkursionen in interessante Naturräume im Bereich von Rüdesheim und Bingen und Schiffs-Exkursionen in das Europa-Reservat »Rheinauen«. Es stehen drei Schiffe mit einer Kapazität von insgesamt 1400 Plätzen zur Verfügung. Im Anschluss an den Exkursionsteil findet in Bingen eine Kundgebung statt, zu der hochrangige Vertreter aus Naturschutz und Politik sprechen werden. Anschließend besteht noch die Möglichkeit zum Besuch des Binger Winzerfestes, einem der schönsten Weinfeste am Mittelrhein, zu Burgbesichtigungen oder Schiffstouren auf dem Rhein.

Um den Aktionstag zu einem Erfolg zu bringen, ist es nötig, dass möglichst viele Menschen an diesem Tag nach Bingen kommen und damit das Aktionsbündnis in seinem Einsatz für das Europa-Reservat unterstützen. Nähere Informationen sind beim Naturschutzzentrum Rheinauen erhältlich (Telefon: 06721-14367, Internet: www.nabu-rheinauen.de/ und bei Günter Lang, dem Vorsitzenden des BUND Kreisverbandes Rheingau-Taunus.

Der Aktionstag soll allen Naturfreunden Gelegenheit bieten, der Politik, den Medien und der Bevölkerung zu zeigen, dass es sehr viele Menschen gibt, die mit dieser Naturzerstörung nicht einverstanden sind. Naturschutzgruppen und Vereine der gesamten Region sollten diese Gelegenheit nutzen, ihren Mitgliedern und Freunden eine Fahrt an den Mittelrhein mit einmaligen Naturerlebnissen, Weingenuß und dem Wir-Gefühl einer großen Naturschutzkundgebung zu bieten. Die Städte Bingen und Rüdesheim sind bequem per Bahn erreichbar. Auch Radtouren entlang des Rheins bieten sich für den Ausflug an. Mit den Fähren Oestrich-Mittelheim - Ingelheim, Rüdesheim - Bingen und Lorch - Niederheimbach bestehen hervorragende Möglichkeiten den Fluß zu überqueren.

Die Aktionsgemeinschaft »Rheinauen« braucht große Unterstützung in ihren Aktivitäten zur Erhaltung des Europareservates und ruft Sie auf, zahlreich zu kommen und ihr in ihrem Kampf zu helfen. Sagen Sie: »Ja zum Rhein - zur Brücke Nein«.

Weitere Auskünfte gibt Ihnen:

Günter Lang (Idstein)

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BUNDjugend beim evangelischen Kirchentag in Frankfurt

Oase des (Er)Lebens rund um Ernährung, Ökolandbau und Gentechnik

Unter großem Arbeitseinsatz und der Mithilfe und Kreativität von etwa 20 BUNDjugendlichen konstruierte die BUNDjugend Hessen einen auffälligen und interaktiven Informations- und Aktionsstand zu den Themen Ernährung, Ökolandbau und Gentechnik. Drei Tage lang war der Stand während des ev. Kirchentages in der Frankfurter Messe (,Markt der Möglichkeiten') aufgebaut und wurde von Tausenden zumeist jungen Menschen besucht. Schon von weitem konnte man die 3m hohe Front des Standes sehen, die mit ihrer Bemalung auf Bauernhof und ländliches Leben einstimmte. Davor war ein Glücksrad platziert, das vorbeiziehende Menschen wie ein Magnet anzog, zum Mitmachen anregte und in unseren Stand lotste. So gab es verschiedene Rätsel-, Schätz- und Wissensfragen, aber auch einen »Liebesbrief«, Freigetränke und Kostproben aus ökologischem Landbau zu gewinnen. Der Stand ließ sich durch zwei Torbögen betreten: durch einen schmalen gelangte man in einen Sinnespfad mit duftenden Pflanzen, einem Geräuschmemory und den Fotos schöner Kulturlandschaften; durch das größere Tor gab es eine bunte Probiertheke, an der dank großzügiger Spenden einiger Naturkostfirmen verschiedene Backwaren, Müslis, Süßigkeiten und Getränke gekostet werden konnten. Daneben befand sich ein Inforegal, eine Sitzecke und die ,Tischlein entdeckel dich und die sieben Zwerge'-Ausstellung: ein bekanntes Märchen wurde umgeschrieben und acht Holzkisten waren auf ihren Deckeln mit den Gedecken der sieben Zwerge und Schneewitchen bestückt, wobei auf jedem Teller etwas anderes lag: eine Wurst, Obst und Gemüse, Fische, ein Maiskolben, Schokolade, ein Croissant. Klappte man den Deckel hoch, sah man modellhaft und sehr liebevoll dargestellt die Probleme, die sich hinter der jeweiligen Nahrungsmittelgruppe verbergen und konnte im Deckel dann noch Ergänzendes lesen. Der Stand mit Ausstellung kann nun komplett oder als einzelne Komponenten ausgeliehen und vor Ort eingesetzt werden: von Jugendgruppen, BUND-Gruppen und auch anderen Vereinen (die Logos lassen sich austauschen).

Aufwind für die BUNDjugend Hessen

Durch FÖJ, Praktikantinnen und den Einsatz von Landesjugend und der Hauptamtlichen konnten in letzter Zeit zunehmend Jugendliche für ein Engagement in der BUNDjugend motiviert werden. Für alle, die mal ganz unverbindlich Kontakt zur BUNDjugend Hessen bekommen wollen, werden zwei Interessierten-Treffen angeboten:

  • Hessen-Nord am Samstag, 4.8. um 15 Uhr im Cafe Ö (Roonstraße 31a) in Gießen
  • Hessen-Süd am Samstag, 11.8. um 18 Uhr im BUND-Büro (Triftstraße 47) in Frankfurt
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Jugendvollversammlung - hier entscheiden wir!

"Und jetzt noch die Erde retten" - so das Motto auf einem T-Shirt der BUNDjugend.
WIR haben noch Visionen und Zukunftswünsche außerhalb des eigenen materiellen Wohlstandes. Mit Fantasie, Freude und Kreativität machen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt und mischen uns ein für den Erhalt einer gesunden Umwelt. Das Jahresplanungstreffen ist dabei mit die wichtigste Veranstaltung, weil wir uns da Aktionen, Projekte, Freizeiten und Veranstaltungen fürs nächste Jahr ausdenken, diskutieren und beschließen. Dazu gehört auch ein Rückblick und eine kritische Auswertung der Aktionen und Veranstaltungen in diesem Jahr. Einen Nachmittag wird die Jugendvollversammlung (JVV) einnehmen, auf der wir die Formalia erledigen und die Beschlüsse festhalten. Zur JVV sind alle Aktiven und Mitglieder der BUNDjugend Hessen eingeladen!

Also, auf nach Fronhausen ...

Tagesordnung JVV 2001

  1. Begrüßung durch die Landesjugendleitung, Feststellung des Stimmberechtigung
  2. Wahl der Versammlungsleitung
  3. Feststellung der satzungsgem. Einladung
  4. Kontrolle des Protokolls der JVV 2000, Wahl eines/r ProtokollantIn
  5. Berichte
    1. Landesjugendleitung
    2. Finanzen
    3. TeamerInnen-AK
    4. Landesgeschäftsstelle
    5. Kassenprüfer
  6. Entlastung der Landesjugendleitung
  7. Anträge
  8. Haushalt 2002
  9. Wahlen:
    • Landesdelegierte
    • Bundesdelegierte
    • LandesjugendsprecherInnen
    • BeisitzerInnen
    • KassenprüferIn

Ende der Versammlung

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Der »Kellerwald«: Ein Nationalpark wie er im Buche steht

Die Stille, die Besucherrinnen und Besucher im Kellerwald finden, steht im harten Kontrast zu den schrillen Tönen des Streits um die Zukunft dieses weltweit einmaligen Waldes. Geht es nach dem Willen des derzeitigen Umweltministers Wilhelm Dietzel (CDU), dann wird aus dem großen Waldgebiet südlich des Edersees im hessischen Norden niemals ein Nationalpark. Er setzte zum 01. Juni diesen Jahres eine nichtssagende Naturparkverordnung in Kraft und meint ernstlich, dass dieser 10. hessische Naturpark die Diskussion um die Ausweisung des Kellerwald als Nationalpark beendet. Dietzel, der sofort nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren bundesweite Proteste auslöste, weil er massive Holzeinschläge in den großflächigen und deshalb ökologisch so besonders wertvollen Altbuchen - Beständen ankündigte, hat aber auch dazu gelernt. Während er früher mögliche Einnahmen aus der Forstwirtschaft im Kellerwald in Höhe von 2 Millionen DM als unverzichtbar für den Landeshaushalt bezeichnete, soll der heutige Schutz mindestens bis zum Ende seiner Amtszeit erhalten bleiben. Wir haben für den Kellerwald einen Erfolg erzielt: Eine Galgenfrist von zwei Jahren.

Was ist so toll am Kellerwald ?

Buchenwald gibt es in Deutschland an vielen Stellen. Doch nirgendwo sind die Bedingungen für den Schutz so günstig wie im Kellerwald. Die große zusammenhängende Waldfläche von 5742 ha ist dabei ein wichtiges Kriterium. Sie ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis auf Kleinstflächen im Besitz des Landes Hessen, was die Ausweisung ohne nennenswerte Entschädigungen ermöglicht und den Vorgang politisch erleichtert. Die Eignung des Kellerwald als Nationalpark zum Schutz des Ökosystems »Buchenwald auf sauren Standorten« ist seit ca. 15 Jahren gutachterlich nachgewiesen. Neben den über 550 ha Eichen sind über 3.000 ha mit Rotbuche bestanden. Und dann der weit überdurchschnittliche Anteil alter Baumbestände: In über 1.000 ha Buchenwald liegt das Durchschnittsalter der Waldabteilungen über 140 Jahren. Viele Buchen des Kellerwald haben aber bereits ein Alter von 200 Jahren und mehr erreicht und etliche sind schon in der natürlichen (!) Alterungs- und Absterbephase. Zum Vergleich: Im klassischen Wirtschaftswald werden Buchenbestände ab einem Alter von 120 - 140 Jahren bereits geerntet. Urwälder bestehen aus dem Nebeneinander und Miteinander von Keimung, Reifung und Vergehen. Doch zwangsläufig fehlt im Wirtschaftswald die Totholzphase der Walddynamik fast vollständig. Anders im Kellerwald: Dort bestehen die besten Voraussetzungen für die relativ schnelle Entfaltung der vollständigen Wildnis - Dynamik des Ökosystems. Da die Rotbuche weltweit ein sehr kleines Verbreitungsgebiet hat, dessen Zentrum in Hessen liegt, hat unser Land die moralische Pflicht, dieses Ökosystem als Nationalpark zu schützen. Man kann nicht einerseits von den Armen dieser Welt die Bewahrung der natürlichen Tropenurwälder fordern, um dann im wirtschaftlich starken Bundesland Hessen die Umsetzung der Nationalparkidee zu verweigern.

Reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt

Auch im Kellerwald ist Wald nicht gleich Wald. Je nach Standort wachsen unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Nährstoffreiche Böden über Löß und Diabas lassen kleinflächig Perlgras- und Waldmeisterbucherwälder entstehen. Heidelbeere, Zwiebelzahnwurz, Hainsimse oder Salbei-Gamander sind typische und verbreitete Buchenwaldpflanzen. Auf felsigen, steilen und trockenen Hängen wachsen lichte, krüppelige Traubeneichenbestände und überregional bemerkenswerte Blockschutt und Hangwälder. Dort, wo der Wald zurücktritt, blühen in großen Lichtflecken sogar europaweit gefährdete Pfingstnelken. Die höchsten Kuppen des Kellerwald tragen die Spitze 600 m über dem Meeresspiegel. In den Tälern und Tälchen fließen typische Mittelgebirgsbäche. Bei diesen Voraussetzung ist auch reiches Tierleben eine logische Folge. Schwarzstorch und Wildkatze sind störungsanfällige Arten, die im Kellerwald vorkommen. Die Hohltaube nutzt die zahlreichen Schwarzspechthöhlen. Und als kürzlich einige alte Laubwaldbestände auf ihren Vogelbestand hin genauer untersucht wurden, gab es mit der Entdeckung des Zwergschnäppers eine kleine Sensation. Ob die Art regelmäßig brütet, ist noch unklar.

Besucherrinnen und Besucher sind willkommen

Wer den Kellerwald erleben will, muss gut zu Fuß sein, denn die öffentlichen Straßen enden alle außerhalb des Waldes. Autos und andere Krachmacher haben im Kellerwald keinen Zutritt. Das Wegenetz beginnt in den kleinen Ortschaften und führt durch das Gatter, dass das frühere Jagdgebiet des Adels und später des Landes Hessen von der Umgebung trennt. Mit diesem Gatter wird insbesondere dem Rotwild, das erhebliche Schäden an Feldfrüchten anrichten kann, der Zugang zu den Feldern in der Umgebung verwehrt. Die für uns heute oft unverständliche herrschaftliche Jagd früherer Zeiten, war nicht nur die Ursache für den Gatterbau, sondern ist auch der Grund für den herausragenden Zustand des Waldes. Alte Jagdgebiete wurden vielerorts vor Rodungen und der auf Gewinn ausgerichteten Forstwirtschaft bewahrt. Sie repräsentieren damit ein Stück Landeskultur und Kulturgeschichte. Spaziergänge und Entdeckungsreisen in die Natur sind erwünscht und bieten selbst im kühlen Herbst oder im verregneten Frühjahr mehr Erlebnisse als der klimaschädigende Flug zum Kurzurlaub am Mittelmeer. Nationalparke haben einen Bildungsauftrag in Sachen Natur und entwickeln sich bei entsprechender Ausstattung zum Impulsgeber für den Fremdenverkehr. Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren außer dem BUND nicht nur die großen Umweltorganisationen, wie WWF, Greenpeace oder Nabu, sondern auch Prominente wie Reinhold Messmer sowie der hessische Tourismusverband und die örtliche IHK für die Ausweisung als Nationalpark ausgesprochen.

Was wird die Zukunft bringen?

Während SPD und Bündnis 90/Grüne im Fall der Regierungsbeteiligung ab April 2003 die Ausweisung des Nationalparks Kellerwald offensiv einfordern wollen und die FDP sich einem solchen Wunsch wohl kaum ernsthaft widersetzen würde, ist die Haltung der CDU unklar. Dietzel bewirtschaftete bis zu seinem Amtsantritt als Umweltminister seinen Hof in der Nachbarschaft des Kellerwald und wird bis heute sehr stark durch die Ablehnung einer Nationalparkausweisung durch die örtliche CDU beeinflusst. Viele hoffen auf klärende Worte des Ministerpräsidenten Roland Koch, der der hessischen Bevölkerung schon vermitteln muss, dass er für erneute Waldrodungen am Frankfurter Flughafen in Südhessen eintritt, und die politische Problematik einer zweiten Sägefront in Nordhessen erkannt hat. Glaubt man den Gerüchten, so hat Koch seinen Umweltminister bereits im Sommer 1999 an der Exekution der »Dicken Kellermänner«, wie die alten Buchen von der Bevölkerung liebevoll getauft wurden, gehindert. Doch es gibt keine Sicherheit. Nach wie vor streitet Minister Dietzel mit der EU-Kommission um das Recht im Kellerwald Forstwirtschaft zu betreiben. Dietzels Vorgänger Gerhard Bökel (SPD) hatte nach jahrelangen, quälenden Diskussionen die Einstellung der Forstwirtschaft und die Ausweisung als Nationalpark als Managementziel für das gemeldete FFH-Gebiet angegeben. Diese Aussage auf dem amtlichen EU-Dokument will die Landesregierung korrigieren lassen. Gelingt ihr dies, wird sie das neue, alte Recht zumindest in Teilen wieder nutzen wollen. Und seit dem letzten Winter diskutiert die Region um den potentiellen Nationalpark die Errichtung eines Ski-Liftes. Das Land Hessen könnte die Diskussion als Eigentümerin der benötigten Flächen sehr schnell beenden. Doch auch hier gibt es keine Klarheit. Es spricht also viel dafür, dass Hessens CDU auf Zeit spielt. Damit ist die Rolle des BUND klar: Wir haben die Diskussion um die Errichtung des Buchenwald-Nationalparks 1986 in Hessen angestoßen. Die BUND - Bundesdelegiertenversammlung hat das Vorhaben am 23. Mai 1987 unterstützt. Das Ziel ist erst erreicht, wenn der Kellerwald Nationalpark ist und seine Entwicklung mitteleuropäischen Buchenurwald nicht mehr umzukehren ist.

Thomas Norgall